Altes Köln

Schönrath auf Karten um 1800 und deren Interpretation: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Altes Köln
Wechseln zu:Navigation, Suche
Überarbeitung
Text weiterbearbeitet, Ausschnitt '3. Karte' eingefügt
Zeile 1: Zeile 1:
== Die Karten ==
Aus der Zeit um 1800 existieren mindestens drei topographischen Karten des Herzogtums Berg:
Aus der Zeit um 1800 existieren mindestens drei topographischen Karten des Herzogtums Berg:


* [https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:6:1-143055 ''Topographische Carte von dem Herzogthum Berg'', aufgenommen von dem kurpfälzischen Wasserbaumeister Wiebeking von 1789 bis 1792 und dann gedruckt ("Wiebeking-Karte")]
* [https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:6:1-143055 ''Topographische Carte von dem Herzogthum Berg''], aufgenommen von dem kurpfälzischen Wasserbaumeister Wiebeking von 1789 bis 1792 und dann gedruckt ("Wiebeking-Karte")]
* [https://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/Mappe160_09/1 überarbeitete Version 1799 von Johann Christoph Bechstatt ("''Topographisch-Militairische Karte des Herzogthums Berg. Aufgenommen und ins Grose gezeichnet von dem Hochf. Steuerrath Wiebeking, verjüngt und gezeichnet von Bechstatt 1799''"
* [https://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/Mappe160_09/1 überarbeitete Version 1799 von Johann Christoph Bechstatt] ("''Topographisch-Militairische Karte des Herzogthums Berg. Aufgenommen und ins Grose gezeichnet von dem Hochf. Steuerrath Wiebeking, verjüngt und gezeichnet von Bechstatt 1799"''
* undatierte Karte aus dem Historischen Archiv der Stadt Köln. Ein Ausschnitt daraus ist veröffentlicht bei Wilfried Litz, Chronik der Kölnischen Litz, Köln 2009, S. 252. Die ursprüngliche Signatur sowie Verfasser und Entstehungsdatum dieser Karte, von der ein reproduzierter Ausschnitt im Besitz von Dr. Wilfried Litz ist, sind aufgrund des Einsturzes des Historischen Archivs 2009 bisher nicht zu ermitteln.
* undatierte Karte aus dem Historischen Archiv der Stadt Köln. Ein Ausschnitt daraus ist veröffentlicht bei Wilfried Litz, Chronik der Kölnischen Litz, Köln 2009, S. 252. Die ursprüngliche Signatur sowie Verfasser und Entstehungsdatum dieser Karte, von der ein reproduzierter Ausschnitt im Besitz von Dr. Wilfried Litz ist, sind aufgrund des Einsturzes des Historischen Archivs 2009 bisher nicht zu ermitteln.


Bei Betrachtung der Karten für den Bereich Schönrath bei Mülheim a. Rh. fällt auf, dass weder Schönrath  
[[Datei:Karte undatiert um 1800 Ausschnitt Schönrather Höfe.jpg|mini|Die undatierte Karte aus dem Stadtarchiv]]
 
== Unterschiede in der Darstellung ==
 
Bei Betrachtung der Karten von Wiebeking und Bechstatt für den Bereich Schönrath bei Mülheim a. Rh. fällt auf, Schönrath falsch eingezeichnet ist. Die dargestellten Gebäude zeigen in Wirklichkeit den heutigen Rodderhof, der aber nicht als solcher benannt ist, und eine Beschriftung ''"Schündenb:"'', nach Ansicht von Ernestus verballhornt aus "Schönrath", nach Ansicht von Litz, weil weil auf dem Rodderhof neben der Landwirtschaft ausgeprägt Ziegelsteine und Schindeln gebrannt wurden.
 
Die undatierte dritte Karte benennt dagegen im Gegensatz zu Wiebeking/Beschstatt den ''"Rotter Hof" (Rodderhof) richtig, nennt den Hof '"Förstgen"' neben dem Kloster Dünnwald und zeigt neben der Beschriftung '"Schönrather Höfe"' zwei von einander getrennte Gebäude an.
 
Die Nennung und Darstellung von zwei "Schönrather Höfen" legt den Gedanken nahe, dass hier neben dem eigentlichen Schönrath das ab 1806 unter dem Druck der bergischen, später der französich dominierten großherzoglich-bergischen Domänenverwaltung errichtete, später Neurath genannte zweite Hofgebäude gemeint sein könnte.


Bei der Betrachtung dieser Karten für den Bereich Schönrath bei Mülheim a. Rh. fällt auf, dass die Landschaft im Grossen und Ganzen übereinstimmend und in gleichem Stil dargestellt ist, und dass das Kartenbild keine wesentliche Veränderung der Landschaft zeigt.
Eine genauere Betrachtung zeigt aber, dass zwar das oben dargestellte (östliche) der beiden Gebäude etwa dem eigentlichen Schönrath entspricht, das untere (weiter westliche) aber von der Lage her nicht das heutige Neurath sein kann. Während Neurath deutlich näher an die heutigen Berlinerstrasse, in Richtung Mülheim a. Rh. liegt. liegt der hier dargestellte zweite Schönrather Hof (im Folgenden "Schönrath 2" genannt) von Schönrath gesehen aus in Richtung Stammheim.


In der Realität gab es allerdings Veränderungen, denn insbesondere 1797/98 gab es eine erhebliche Waldvernichtung zwischen den Dörfern Dünnwald und Stammheim.  
Es fällt bei der Betrachtung der drei Karten weiterhin auf, dass die Waldweide bei Schönrath, ebenso wie die übrige Landschaft im Raum Mülheim, in allen drei Kartenversionen gleich dargestellt ist, während sie in den Katasterkarten der 1820er Jahre ebenso wie in den topographischen Karten von Tranchot/Müffling und der Preußischen Uraufnahme (Aufnahme v. Bila von 1844) deutlich verkleinert ist.


== Hier weiter bearbeiten ==
Litz weist darauf hin, dass diese Verkleinerung der Waldweide insbesondere auf die erhebliche Waldvernichtung 1797/98 zwischen den Dörfern Dünnwald und Stammheim durch französische Truppen zurückzuführen sei.


Erst nach der französischen, dominanten Besetzung und erst recht nach der Annexion des Herzogtums Berg durch Frankreich 1806 mit dem agilen Napoleon als Vorsteher begannen Veränderungen. also während der Zeit von Karten- zu KartenerstellungDie dritte Karte ist somit spätestens um diese Zeit 1806 erschienen; eher sogar um Anfang 1800, weil die Kartographie der zwischen den Dörfern Dunenwald und Stamheim sich erstreckenden Waldweide trotz der ab 1797/98 erfolgten Waldvernichtung der Gegend unverändert war.[10]
== Verschiedene Interpretationen ==


Die Karten von Wiebeking 1789 und Bechstatt 1799 zeigen nicht das de facto existierende Schönrath an. Stattdessen ist Schönrath fälschlicherweise mit dem dort seit mindestens 1600 existierenden Rotter Hof des Klosters der Prämonstratenserinnen bei Dunenwald verwechselt und mit dem verballhornenden Namen Schüindenbr belegt, wahrscheinlich deshalb, weil dort neben der Landwirtschaft ausgeprägt Ziegelsteine und Schindeln gebrannt wurden[9][15].
Dies führt zu unterschiedlichen Interpretationen:
Die Wiedeking, Bechstatt Karten geben somit die Gegebenheiten der Waldweide falsch an. Auf der 3. Karte dagegen ist dieser Rotter Hof korrekt angezeigt sowie Schönrath bekundet und zwar in Form zweier Schönrather Höfe.


Letzteres mag auf den ersten Blick erstaunen; dieses ist aber nicht ungewöhnlich, denn in der damals unmotorisierten Welt konnte eine grossflächige Landwirtschaft auf Grund der beschränkten Arbeitgeschwindigkeit der Schaffenden ( Ochse, Pferd, Mensch ) nur auf der Basis verteilt platzierter Hoffilialen rentabel betrieben werden. So wurde die großflächige Landwirtschaft Kalk der Abtei Deutz (heute Stadtteil Köln-Kalk) durch zwei gekoppelte Betriebe durchgeführt, die - obwohl relativ entfernt von einander - den gleichen Namen Kalker Hof trugen. In gleicher Weise wurde somit auch die großflächige Landwirtschaft Schönrath der Abtei Altenberg durch zwei Zweighöfe gleichen namens Schönrather Hof bewerkstelligt.  
Litz sieht in dem dargestellten, hier "Schönrath2" genannten Hof einen nach seiner Ansicht schon vor der Säkularisation bestehendes Vorwerk von Schönrath. Letzteres mag auf den ersten Blick erstaunen; dieses ist aber nicht ungewöhnlich, denn in der damals unmotorisierten Welt konnte eine grossflächige Landwirtschaft auf Grund der beschränkten Arbeitgeschwindigkeit der Schaffenden ( Ochse, Pferd, Mensch ) nur auf der Basis verteilt platzierter Hoffilialen rentabel betrieben werden. So wurde die großflächige Landwirtschaft Kalk der Abtei Deutz (heute Stadtteil Köln-Kalk) durch zwei gekoppelte Betriebe durchgeführt, die - obwohl relativ entfernt von einander - den gleichen Namen Kalker Hof trugen. In gleicher Weise wurde somit auch die großflächige Landwirtschaft Schönrath der Abtei Altenberg durch zwei Zweighöfe gleichen namens Schönrather Hof bewerkstelligt. Zudem, die grossen Landwirtschaften Ostpreussens und Pommerns wurden sogar trotz der mittlerweile vorhandenen Motorisierung bis zu Ende des 2.Weltkriegs auf solche Weise geführt. Die "3. Karte" ist seiner Ansicht nach spätestens 1806 erschienen, eher sogar um Anfang 1800.
Zudem, die grossen Landwirtschaften Ostpreussens und Pommerns wurden sogar trotz der mittlerweile vorhandenen Motorisierung bis zu Ende des 2.Weltkriegs auf solche Weise geführt.


Der Vergleich der topographischen Karte vor der Säkularisation mit der der preussischen des      v. Bila von 1844 oder jetziger Kölner Stadtplänen zeigt, dass Neurath hinsichtlich seiner Lage zur ehemaligen Filiale Schönrather Hof1 (heute Schönrath) erheblich verschoben errichtet wurde, entsprechend der Karten näher an die heutige Berlinerstrasse. Vom Schönrather Hof1 (heute Schönrath) aus geblickt lag der frühere Schönrather Hof2 in Richtung Stammheim, die neu errichtete Hofanlage Neurath dagegen in Richtung Mülheim a. Rh..
Ernestus, der in seinen Studien in den Akten keine Hinweise auf die Existenz eines Vorwerkes vor der Säkularisation gefunden hat, vermutet dagegen, dass die "3. Karte" zwischen 1804 und 1814 entstanden ist. Der Autor der Karte habe gewusst, dass auf Schönrath ein zweiter Hof auf Druck der Domänenverwaltung errichtet wurde, aber die Lage des zweiten Hofes nicht gekannt und daher falsch eingezeichnet. Die Karte müsse vor 1814 entstanden sein, da spätestens 1814 der die Benennung "Neurath" für den zweiten Hof erfolgt.

Version vom 2. Dezember 2024, 12:43 Uhr

Die Karten

Aus der Zeit um 1800 existieren mindestens drei topographischen Karten des Herzogtums Berg:

  • Topographische Carte von dem Herzogthum Berg, aufgenommen von dem kurpfälzischen Wasserbaumeister Wiebeking von 1789 bis 1792 und dann gedruckt ("Wiebeking-Karte")]
  • überarbeitete Version 1799 von Johann Christoph Bechstatt ("Topographisch-Militairische Karte des Herzogthums Berg. Aufgenommen und ins Grose gezeichnet von dem Hochf. Steuerrath Wiebeking, verjüngt und gezeichnet von Bechstatt 1799"
  • undatierte Karte aus dem Historischen Archiv der Stadt Köln. Ein Ausschnitt daraus ist veröffentlicht bei Wilfried Litz, Chronik der Kölnischen Litz, Köln 2009, S. 252. Die ursprüngliche Signatur sowie Verfasser und Entstehungsdatum dieser Karte, von der ein reproduzierter Ausschnitt im Besitz von Dr. Wilfried Litz ist, sind aufgrund des Einsturzes des Historischen Archivs 2009 bisher nicht zu ermitteln.
Die undatierte Karte aus dem Stadtarchiv

Unterschiede in der Darstellung

Bei Betrachtung der Karten von Wiebeking und Bechstatt für den Bereich Schönrath bei Mülheim a. Rh. fällt auf, Schönrath falsch eingezeichnet ist. Die dargestellten Gebäude zeigen in Wirklichkeit den heutigen Rodderhof, der aber nicht als solcher benannt ist, und eine Beschriftung "Schündenb:", nach Ansicht von Ernestus verballhornt aus "Schönrath", nach Ansicht von Litz, weil weil auf dem Rodderhof neben der Landwirtschaft ausgeprägt Ziegelsteine und Schindeln gebrannt wurden.

Die undatierte dritte Karte benennt dagegen im Gegensatz zu Wiebeking/Beschstatt den "Rotter Hof" (Rodderhof) richtig, nennt den Hof '"Förstgen"' neben dem Kloster Dünnwald und zeigt neben der Beschriftung '"Schönrather Höfe"' zwei von einander getrennte Gebäude an.

Die Nennung und Darstellung von zwei "Schönrather Höfen" legt den Gedanken nahe, dass hier neben dem eigentlichen Schönrath das ab 1806 unter dem Druck der bergischen, später der französich dominierten großherzoglich-bergischen Domänenverwaltung errichtete, später Neurath genannte zweite Hofgebäude gemeint sein könnte.

Eine genauere Betrachtung zeigt aber, dass zwar das oben dargestellte (östliche) der beiden Gebäude etwa dem eigentlichen Schönrath entspricht, das untere (weiter westliche) aber von der Lage her nicht das heutige Neurath sein kann. Während Neurath deutlich näher an die heutigen Berlinerstrasse, in Richtung Mülheim a. Rh. liegt. liegt der hier dargestellte zweite Schönrather Hof (im Folgenden "Schönrath 2" genannt) von Schönrath gesehen aus in Richtung Stammheim.

Es fällt bei der Betrachtung der drei Karten weiterhin auf, dass die Waldweide bei Schönrath, ebenso wie die übrige Landschaft im Raum Mülheim, in allen drei Kartenversionen gleich dargestellt ist, während sie in den Katasterkarten der 1820er Jahre ebenso wie in den topographischen Karten von Tranchot/Müffling und der Preußischen Uraufnahme (Aufnahme v. Bila von 1844) deutlich verkleinert ist.

Litz weist darauf hin, dass diese Verkleinerung der Waldweide insbesondere auf die erhebliche Waldvernichtung 1797/98 zwischen den Dörfern Dünnwald und Stammheim durch französische Truppen zurückzuführen sei.

Verschiedene Interpretationen

Dies führt zu unterschiedlichen Interpretationen:

Litz sieht in dem dargestellten, hier "Schönrath2" genannten Hof einen nach seiner Ansicht schon vor der Säkularisation bestehendes Vorwerk von Schönrath. Letzteres mag auf den ersten Blick erstaunen; dieses ist aber nicht ungewöhnlich, denn in der damals unmotorisierten Welt konnte eine grossflächige Landwirtschaft auf Grund der beschränkten Arbeitgeschwindigkeit der Schaffenden ( Ochse, Pferd, Mensch ) nur auf der Basis verteilt platzierter Hoffilialen rentabel betrieben werden. So wurde die großflächige Landwirtschaft Kalk der Abtei Deutz (heute Stadtteil Köln-Kalk) durch zwei gekoppelte Betriebe durchgeführt, die - obwohl relativ entfernt von einander - den gleichen Namen Kalker Hof trugen. In gleicher Weise wurde somit auch die großflächige Landwirtschaft Schönrath der Abtei Altenberg durch zwei Zweighöfe gleichen namens Schönrather Hof bewerkstelligt. Zudem, die grossen Landwirtschaften Ostpreussens und Pommerns wurden sogar trotz der mittlerweile vorhandenen Motorisierung bis zu Ende des 2.Weltkriegs auf solche Weise geführt. Die "3. Karte" ist seiner Ansicht nach spätestens 1806 erschienen, eher sogar um Anfang 1800.

Ernestus, der in seinen Studien in den Akten keine Hinweise auf die Existenz eines Vorwerkes vor der Säkularisation gefunden hat, vermutet dagegen, dass die "3. Karte" zwischen 1804 und 1814 entstanden ist. Der Autor der Karte habe gewusst, dass auf Schönrath ein zweiter Hof auf Druck der Domänenverwaltung errichtet wurde, aber die Lage des zweiten Hofes nicht gekannt und daher falsch eingezeichnet. Die Karte müsse vor 1814 entstanden sein, da spätestens 1814 der die Benennung "Neurath" für den zweiten Hof erfolgt.