Altes Köln

Der Kölner Schweid (Schwaidt): Unterschied zwischen den Versionen

Aus Altes Köln
Wechseln zu:Navigation, Suche
Die Seite wurde neu angelegt: „Der '''Kölner Schweid''' – in Quellen auch '''Schwaidt''', '''Schweidt''' oder '''Schweydt''' genannt – bezeichnet das historische '''Umland und die Feldmark der Stadt Köln''' vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit. Der Begriff ist eng mit der agrarischen Versorgung der Stadt, mit Weiderechten sowie mit der territorialen Organisation des kölnischen Umlands verbunden.“
 
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 1: Zeile 1:
Der '''Kölner Schweid''' – in Quellen auch '''Schwaidt''', '''Schweidt''' oder '''Schweydt''' genannt – bezeichnet das historische '''Umland und die Feldmark der Stadt Köln''' vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit. Der Begriff ist eng mit der agrarischen Versorgung der Stadt, mit Weiderechten sowie mit der territorialen Organisation des kölnischen Umlands verbunden.
Der '''Kölner Schweid''' – in Quellen auch '''Schwaidt''', '''Schweidt''' oder '''Schweydt''' genannt – bezeichnet das historische '''Umland und die Feldmark der Stadt Köln''' vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit. Der Begriff ist eng mit der agrarischen Versorgung der Stadt, mit Weiderechten sowie mit der territorialen Organisation des kölnischen Umlands verbunden.
== Begriff und Bedeutung ==
Das Wort '''Schweid''' leitet sich vermutlich aus dem althochdeutschen bzw. mittelniederdeutschen Sprachraum ab und bezeichnete allgemein einen '''Landbezirk, eine Feldmark oder einen abgegrenzten Wirtschaftsraum'''. Im Kölner Kontext meinte der Schweid insbesondere:
* die Acker‑, Weide‑ und Wiesenflächen außerhalb der Stadtmauern,
* die zur Stadt Köln gehörenden oder von ihr beanspruchten Gebiete,
* sowie das wirtschaftlich eng mit der Stadt verbundene Umland.
Der Kölner Schweid war kein einzelner Verwaltungsbezirk im modernen Sinne, sondern ein '''funktionaler Raum''', der durch Nutzungsrechte, Wege, Gewässer und Besitzverhältnisse definiert wurde.
== Historischer Hintergrund ==
Bereits im Hochmittelalter war Köln auf sein Umland angewiesen:
* zur Versorgung mit Getreide, Vieh, Holz und Brennstoffen,
* für Weiderechte der Bürger und Bauerbänke,
* als Pufferzone zwischen Stadt und benachbarten Herrschaften.
Der Schweid umfasste zahlreiche '''Dörfer, Höfe und Einzelbesitze''', die wirtschaftlich auf Köln ausgerichtet waren. Viele dieser Orte wurden später zu heutigen Kölner Stadtteilen.
Im 16. und 17. Jahrhundert wurde der Kölner Schweid zunehmend '''kartographisch erfasst''', um Besitzansprüche, Wege und Grenzen sichtbar zu machen.
== Der Kölner Schweid in historischen Karten ==
'''Descriptio Agri Civitatis Coloniensis'''
Die wichtigste kartographische Darstellung des Kölner Schweids ist die '''„Descriptio Agri Civitatis Coloniensis“''' (Beschreibung des Feldes der Stadt Köln).
Merkmale dieser Karten:
* Entstehung: Anfang 17. Jahrhundert, verbreitet durch Drucke des 17. und frühen 18. Jahrhunderts
* Darstellung von:
** der ummauerten Stadt Köln
** dem Rhein und Nebenarmen
** umliegenden Dörfern, Höfen und Wegen
** der gesamten städtischen Feldmark (Schweid)
Bekannte Kartographen und Herausgeber:
* '''Abraham Hogenberg''' (frühe Fassungen um 1600)
* '''Joan Blaeu''' (Atlas Maior, ab ca. 1662)
* '''Covens & Mortier''' (18. Jahrhundert)
Diese Karten dienten nicht nur der Orientierung, sondern auch der '''Dokumentation städtischer Ansprüche''' gegenüber Adel, Kirche und benachbarten Territorien.
== Typische Inhalte der Schweidkarten ==
Auf Schweidkarten finden sich häufig:
* Vorstädte und Dörfer (z. B. Deutz, Nippes, Müngersdorf, Longerich)
* Wege und Handelsrouten
* Bäche, Gräben und Rheinläufe
* Wald‑ und Weideflächen
* Grenzlinien der städtischen Feldmark
Die Darstellung ist meist '''nicht maßstabsgetreu''', sondern folgt einem symbolischen und funktionalen Verständnis von Raum.
== Bedeutung für die Kölner Stadt‑ und Familiengeschichte ==
Der Kölner Schweid ist besonders wichtig für:
* '''Stadtgeschichtliche Forschung'''
* '''Siedlungs‑ und Flurnamenforschung'''
* '''Familien‑ und Hausforschung''' im Kölner Umland
Viele in Quellen genannte Herkunftsangaben („im Schweid gelegen“, „außerhalb der Stadt im Schweid“) lassen sich erst durch diese Karten räumlich einordnen.

Version vom 23. Januar 2026, 13:17 Uhr

Der Kölner Schweid – in Quellen auch Schwaidt, Schweidt oder Schweydt genannt – bezeichnet das historische Umland und die Feldmark der Stadt Köln vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit. Der Begriff ist eng mit der agrarischen Versorgung der Stadt, mit Weiderechten sowie mit der territorialen Organisation des kölnischen Umlands verbunden.

Begriff und Bedeutung

Das Wort Schweid leitet sich vermutlich aus dem althochdeutschen bzw. mittelniederdeutschen Sprachraum ab und bezeichnete allgemein einen Landbezirk, eine Feldmark oder einen abgegrenzten Wirtschaftsraum. Im Kölner Kontext meinte der Schweid insbesondere:

  • die Acker‑, Weide‑ und Wiesenflächen außerhalb der Stadtmauern,
  • die zur Stadt Köln gehörenden oder von ihr beanspruchten Gebiete,
  • sowie das wirtschaftlich eng mit der Stadt verbundene Umland.

Der Kölner Schweid war kein einzelner Verwaltungsbezirk im modernen Sinne, sondern ein funktionaler Raum, der durch Nutzungsrechte, Wege, Gewässer und Besitzverhältnisse definiert wurde.

Historischer Hintergrund

Bereits im Hochmittelalter war Köln auf sein Umland angewiesen:

  • zur Versorgung mit Getreide, Vieh, Holz und Brennstoffen,
  • für Weiderechte der Bürger und Bauerbänke,
  • als Pufferzone zwischen Stadt und benachbarten Herrschaften.

Der Schweid umfasste zahlreiche Dörfer, Höfe und Einzelbesitze, die wirtschaftlich auf Köln ausgerichtet waren. Viele dieser Orte wurden später zu heutigen Kölner Stadtteilen.

Im 16. und 17. Jahrhundert wurde der Kölner Schweid zunehmend kartographisch erfasst, um Besitzansprüche, Wege und Grenzen sichtbar zu machen.

Der Kölner Schweid in historischen Karten

Descriptio Agri Civitatis Coloniensis

Die wichtigste kartographische Darstellung des Kölner Schweids ist die „Descriptio Agri Civitatis Coloniensis“ (Beschreibung des Feldes der Stadt Köln).

Merkmale dieser Karten:

  • Entstehung: Anfang 17. Jahrhundert, verbreitet durch Drucke des 17. und frühen 18. Jahrhunderts
  • Darstellung von:
    • der ummauerten Stadt Köln
    • dem Rhein und Nebenarmen
    • umliegenden Dörfern, Höfen und Wegen
    • der gesamten städtischen Feldmark (Schweid)

Bekannte Kartographen und Herausgeber:

  • Abraham Hogenberg (frühe Fassungen um 1600)
  • Joan Blaeu (Atlas Maior, ab ca. 1662)
  • Covens & Mortier (18. Jahrhundert)

Diese Karten dienten nicht nur der Orientierung, sondern auch der Dokumentation städtischer Ansprüche gegenüber Adel, Kirche und benachbarten Territorien.

Typische Inhalte der Schweidkarten

Auf Schweidkarten finden sich häufig:

  • Vorstädte und Dörfer (z. B. Deutz, Nippes, Müngersdorf, Longerich)
  • Wege und Handelsrouten
  • Bäche, Gräben und Rheinläufe
  • Wald‑ und Weideflächen
  • Grenzlinien der städtischen Feldmark

Die Darstellung ist meist nicht maßstabsgetreu, sondern folgt einem symbolischen und funktionalen Verständnis von Raum.

Bedeutung für die Kölner Stadt‑ und Familiengeschichte

Der Kölner Schweid ist besonders wichtig für:

  • Stadtgeschichtliche Forschung
  • Siedlungs‑ und Flurnamenforschung
  • Familien‑ und Hausforschung im Kölner Umland

Viele in Quellen genannte Herkunftsangaben („im Schweid gelegen“, „außerhalb der Stadt im Schweid“) lassen sich erst durch diese Karten räumlich einordnen.