Altes Köln

Waagenmacher

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Münzwaage des Wilhelm Odendal von 1640
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Münzwaage des Jacobus Heuscher von 1696
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Münzwaage des Jacobus Heuscher im Transportkasten

Zum Waagenmacher

Im Handelsgeschäft spielt Genauigkeit eine große Rolle. Dies vor allem, wenn es um Geldstücke geht und man wissen will, ob der versprochene Wert stimmt, d.h. man legt die Münze auf die Goldwaage und vergleicht sie mit den gefertigten Münzgewichten. Die Münzgewichte wurden aus Messing hergestellt und waren viereckig, um Verwechslungen mit den wertvollen Münzen zu vermeiden.

Vom 16. bis 18. Jahrhundert war Köln berühmt für qualitätvolle und prächtige Münzwaagen. Die Organisation der Waagenmacher ist durch eine Waagenmacherordnung aus dem Jahr 1553 überliefert. Sie gehörten zur Zunft der Goldschmiede und sie stellten die obersten städtischen Eichbeamten. Die Ladenmacher aus der Schreinerzunft stellten die verschiedenen Kästchen und Laden für die verschiedenen Gold- und Silbergewichte her. Ihr Meisterzeichen als Ladenmacher brannten sie in das Holz ein. Der Waagenmacher setzte dann sein Zeichen in eine dafür vorgesehene Dreieckschale und notierte den Namen, die Adresse und das Herstellungsjahr auf einen extra gedruckten Zettel oder mit Tinte auf die Dreieckschale. Zusätzlich kam dann noch der Eichstempel des städtischen Eichmeisters hinzu.

Die strengen Zunftregelungen engten die Zahl der Meister dieses Handwerks ein und begrenzten auch die Zahl der Familien, die Meister stellen konnten. Aus den Inschriften kennt man die Familien. So sind aus der Familie Medtmann (Mettmann) zwischen 1605 und 1710 fünf Waagenmacher nachgewiesen. Auch die Familie Odendal (Odenthal) und Grevenberg stellte Waagenmaacher und auch Eichmeister. Inclusive der Helfer aus den Familien geht man von etwa 50 Personen aus, die in Köln gleichzeitig Münzwaagen herstellten. Die Herstellung einer Waage dauerte etwa einen Tag. Über 200 Jahre hochgerechnet mit 50 Waagenmachern bei 300 jährlichen Arbeitstagen kommt man auf insgesamt etwa 300.000 produzierten Goldwaagen. Übrig geblieben sind gerade mal 300 Kölner Waagen in Museen aufbewahrt.

Aufbau und Ausstattung klassischer Kölner Münzwaagen

Typisch für Münzwaagen aus Köln im 16.–18. Jahrhundert:

  • rechteckiger Holzkasten mit Fächern
  • mehrere Ebenen für Gewichte (unter Deckel, im Waagenkasten, evtl. Schieberlade)
  • Messinggewichte mit Münzkennbildern (z. B. Dukaten, Rosenoble etc.)
  • runde und dreieckige Waagschalen
  • sehr feine, oft verzierte Holzkästchen mit punzierten Kanten

Typen von Waagen

Aus Köln sind vor allem bekannt:

  • Münzwaagen (zum Prüfen von Gold- und Silber­münzen) – häufig sehr fein gearbeitet und signiert.
  • Feinwaagen und Apothekerwaagen – etwas kleiner, oft mit klarer Eich- oder Herstellermarkierung.
  • Export-Waagen für Märkte außerhalb Kölns – diese tragen oft Ortsangaben oder Händleretiketten.

Kölner Waagenmacherfamilien

Eine Übersicht der Kölner Waagenmacher und deren Familien ersieht man aus einer Zusammenstellung unseres Schwesterprojektes koelnerbuerger.de .

Zu Jakob Heuscher:
Tätig 1656-1703;
eine Münzwaage von 1692 in der "Fundación Museo de las Ferias": https://www.museoferias.net/pieza-del-mes-y-agosto-2007/
Ein ausführlicher Beitrag von Ludwig Ramacher zu einem Münzkasten von Jakob Heuscher 1659 hier:
https://www.academia.edu/95174084/Ein_modifizierter_M%C3%BCnzwaagenkasten_von_Jacob_Heuscher

Zu Wilhelm Odendahl:
baut Münzwaagen zwischen 1640 und 1654 (Ramacher, Ludwig: Forschungen zu Kölner Waagenmachern, Mitteilung Jan. 2023)

Zu Jacobus Römer:
8https://www.kuenker.de/de/deutscher-raum-koeln-jacobus-roemmer-roemer-koeln-ca.-1713-1727.-muenzwaage-1713./314577 Versteigerung Kuenker]

Zu Bernd Odendahl;
Kölner Münzkabinett, mehrere Münzwaagen