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'''Schönrath''' ist ein Landgut mit langer Geschichte. Die geschlossene, viergliedrige Gebäudeanlage liegt in [[Höhenhaus|Köln-Höhenhaus]], Am Flachsrosterweg&nbsp;33.


'''Schönrath''' ist ein Landgut mit langer Geschichte, das Gutshaus gelegen in [[Höhenhaus|Köln-Höhenhaus]], Am Flachsrosterweg&nbsp;33.
== Lage ==
== Lage ==
[[Datei:5 TopographischeKarte Neurath-Schönrath.jpg|mini|Bereich Schönrath auf der Topographischen Karte von 1844 (Preußische Neuaufnahme, Leutnant von Bila)]]
[[Datei:5 TopographischeKarte Neurath-Schönrath.jpg|mini|Bereich Schönrath auf der Topographischen Karte von 1844 (Preußische Uraufnahme, Leutnant von Bila)]]
''Schönrath'' lag bis ins vorletzte Jahrhundert abgeschieden zwischen dem Dorf [[Dünnwald]] bei Köln, dem Dorf [[Stammheim]] bei Köln und der Stadt [[Mülheim]] am Rhein. Heute wird es durchkreuzt von der [[Bundesautobahn 3|Autobahn A3]] im Westen, der [[Bahnstrecke Gruiten–Köln-Deutz|Eisenbahnstrecke Gruiten-Köln]] im Osten und die Automobilverkehrsader Dünnwalder Kommunalweg im Norden.
Das Landgut ''Schönrath'' lag bis ins 19. Jahrhundert abgeschieden zwischen den Dörfern [[Dünnwald]] und [[Stammheim]] sowie der Stadt [[Mülheim]] am Rhein. Heute wird es im Westen von der [[Bundesautobahn 3|Autobahn A3]], im Osten von der [[Bahnstrecke Gruiten–Köln-Deutz|Eisenbahnstrecke Gruiten-Köln]] und im Norden von der Landstraße [[Dünnwalder Kommunalweg]] durchkreuzt und durch die städtebauliche Entwicklung stark beeinträchtigt.


Vor der Eingemeindung der [[Bürgermeisterei Merheim]] nach Köln und ihrer Herauslösung aus dem [[Kreis Mülheim am Rhein|Landkreis Mülheim]] zum 1. April 1914, war der Hof ein Teil der [[Katastergemeinde]] Dünnwald innerhalb der Bürgermeisterei Merheim. Seit Gründung des Stadtteils Köln-Höhenhaus 1934 ist es Teil von diesem. Noch heute wird er in [[Kataster]] und [[Grundbuch]] unter der [[Gemarkung]] Dünnwald geführt.
== Zur Geschichte ==
== Zur Geschichte ==
Der Ursprung von Schönrath liegt im Dunkeln. Laut Mosler und Huck gehörte im Jahr 1210 Schönrath mit seiner Acker- und Waldfläche von 773 [[Morgen]] der [[Abtei Altenberg|Zisterzienserabtei zu Altenberg]] und blieb deren Eigentum ununterbrochen bis zur [[Säkularisation]]. Es war damit der größte Hof der Abtei Altenberg. Der Grund wird in der vorausgegangenen Arrondierung durch Zukauf benachbarter Höfe (Buchheim, Mülheim, Espen und möglicherweise auch Merheim) gesehen.<ref>Jürgen Huck: ''Die Bürgermeisterei Merheim und ihre Vorläufer im Wandel der Zeit.'' In: Die Bürgermeisterei Merheim im Wandel der Zeit. Hrsg.: Heimatverein Köln-Dellbrück e.V. „Ahl Kohgasser“, 2.&nbsp;Aufl. 1974, Köln 1974, S.&nbsp;60.</ref><ref>Hans Mosler: ''Die Cistercienserabtei Altenberg.'' (= ''Germania Sacra; Neue Folge&nbsp;2.'') Walter de Gruyter & Co., Berlin 1965. [https://rep.adw-goe.de/handle/11858/00-001S-0000-0022-BE98-4 Digitalisat], S.&nbsp;102.</ref>
Der Ursprung von ''Schönrath'' liegt im Dunkeln. Im Jahr 1210 gehörte Schönrath laut Mosler und Huck mit seiner Acker- und Waldfläche von 773 [[Morgen]] der [[Abtei Altenberg|Zisterzienserabtei zu Altenberg]] und blieb deren Eigentum ununterbrochen bis zur [[Säkularisation]] 1803. Es war damit der größte Hof der Abtei Altenberg. Der Grund wird in der vorausgegangenen Arrondierung durch Zukauf benachbarter Höfe (Buchheim, Mülheim, Espen und möglicherweise auch Merheim) gesehen.<ref>Jürgen Huck: ''Die Bürgermeisterei Merheim und ihre Vorläufer im Wandel der Zeit.'' In: Die Bürgermeisterei Merheim im Wandel der Zeit. Hrsg.: Heimatverein Köln-Dellbrück e.V. „Ahl Kohgasser“, 2.&nbsp;Aufl. 1974, Köln 1974, S.&nbsp;60.</ref><ref>Hans Mosler: ''Die Cistercienserabtei Altenberg.'' (= ''Germania Sacra; Neue Folge&nbsp;2.'') Walter de Gruyter & Co., Berlin 1965. [https://rep.adw-goe.de/handle/11858/00-001S-0000-0022-BE98-4 Digitalisat], S.&nbsp;102.</ref>
 
Anfangs lebten dort ''leyebroders'' (Laienbrüder) des ''goitzhuys zom Aldenberge'', so beispielsweise ''broeder Pilgryms van Schoenroide'', der am 16. Januar 1416 zu ''Moillenheim'' (Mülheim) als Geschworener bestätigte, dass der ''eirsame Reynart vame Hogepoit'' den Verkauf eines Zehnten im ''Widenbroiche'' ([[Weidenbruch]] im heutigen Köln-Höhenhaus, -Mülheim und -Holweide, nicht identisch mit dem heutigen Straßenzug [[Im Weidenbruch]]) an Anton von Neuß verkauft hat.<ref>Johann Bendel: Stadt Mülheim am Rhein, Mülheim 1911, S. 432</ref>
 
Aber schon ab dem 15. Jahrhundert ließ die Abtei den Hof von [[Halfe]]n (Pächtern) verwalten.<ref>Urkundenbuch der Abtei Altenberg, bearb. von Hans Mosler, Bd. 2 (1400–1803) (Urkundenbücher der Geistlichen Stiftungen des Niederrheins 3), 1955, S. 63.</ref>
 
[[Datei:Heuarbeit ak.jpg|mini|300px|Heuernte]]
Laut einer mündlichen Überlieferung soll der Beginn des ''klösterlichen'' Schönrath darin liegen, dass im 14. Jahrhundert ein Ritter namens Sigwin seinen Rittersitz ''Schoenroide'' zwecks Sühne einer Blutschuld der Zisterzienserabtei zu Altenberg geschenkt habe.<ref>Vinzenz Jakob von Zuccalmaglio: ''Geschichte und Beschreibung der Stadt und des Kreises Mülheim a. R.'' Zum Vorteil des Kölner Dombaus, Köln 1846. [http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/titleinfo/6642739 Digitalisierte Ausgabe], S. 335, später bei Johann Bendel: ''Heimatbuch des Landkreises Mülheim am Rhein. Geschichte und Beschreibung. Sagen und Erzählungen.'' 2. und 3.&nbsp;Aufl., Köln-Mülheim 1925, S.&nbsp;398.</ref> Diese Überlieferung wiedersrpicht der Feststellung von Mosler und Huck. Nichtsdestotrotz sollen sich bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhundert Andeutungen der Existenz einer verteidungsfährigen ''Uranlage'' gezeigt haben, zuletzt z.B. dadurch, dass es auf der Innenfläche der späteren Hofanlage nach heftigem Regenfall zu einer Bodenabsackung neben dem Haupttor kam, mit der Folge eines Einburchs in einen tiefen, verrotteten, rundlich ummauerten, wehrhaft wirkenden Hohlraum. Zudem, als 1952 das alte sogenannte Brennhaus abgerissen wurde, glaubte man beim Abriss des Fundaments, an dessen Ostseite auf den alten verfallenden Ausgang getroffen zu sein, der der Überlieferung nach als unterirdischer Fluchtweg von ''Schoenroide'' nach ''Dunenwald'' dienen sollte.<ref>Kölnische Rundschau: ''Höhenhauser Chronikblatt'', 28. November 1952</ref>
 
''Schönrath'' wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals gebrandschatzt. Plünderung, Misshandlung, Zerstörung, Nahrungs- und Pferdefutterraub gab es während des Truchsessischen Kriegs 1583-1589, während des 30jährigen Kriegs besonders in den Jahren 1642-1648, während der Raubkriege von Ludwig XIV. und während des Siebenjährigen Kriegs 1756-1763. Das setzte sich fort während Napoleons Feldzügen. Als die Franzosen ab 1795 im Kölner Umland agierten, wurden Schönrath 22 Kühe und 3 Pferde geraubt. In dieser unruhigen Zeit fanden vorübergehend Ordensleute aus dem Linksrheinischen Zuflucht auf Schönrath.<ref>Wilhelm Heinrichs: ''Orden und ihre Niederlassungen im alten Düren''. Hahne & Schloemer-Verlag, 2003, ISBN 3-927312-55-X, S. 60.</ref>
 
Ab 1798 begann die marodierende Armee unter dem kommandierenden General Hoche, Wald massiv abzuholzen, um durch den Verkauf des Holzes an Geld zu gelangen.<ref>Johann Bendel: Heimatbuch des Landkreises Mülheim am Rhein, Köln 1911, S.103–113, 124, 303 f.</ref>  


Anfangs lebten dort ''leyebroders'' (Laienbrüder) des ''goitzhuys zom Aldenberge'' so beispielsweise ''broeders Pilgryms van Schoenroide'', der am 16. Januar 1416 zu ''Moillenheim'' (Mülheim) als Geschworener den Verkauf eines Zehnten im ''Widenbroiche'' (Weidenbruch im heutigen Köln-Höhenhaus) durch ''Reynart vame Hogepoit ''an Anton von Neuß bestätigte.<ref>Johann Bendel: Stadt Mülheim am Rhein, Mülheim 1911, S. 398, 432</ref> Schon im 15. Jahrhundert setzte sich die Vergabe des Hofes an [[Halfe]]n (Pächter) durch.<ref>Urkundenbuch der Abtei Altenberg, bearb. von Hans Mosler, Bd. 2 (1400–1803) (Urkundenbücher der Geistlichen Stiftungen des Niederrheins 3), 1955, S. 63.</ref>
Zum Zeitpunkt der allgemeinen Aufhebung der Klöster 1803 gehörte ''Schönrath'' zum bergischen [[Amt Porz]]. Nach Einführung der Verwaltung nach französischem Muster im [[Großherzogtum Berg]] war es der ''[[Bürgermeisterei Merheim|Mairie Merheim]]'' im [[Arrondissement Mülheim am Rhein]] und damit dem [[Kanton Mülheim]] zugeordnet. Ab 1815, nachdem bereits die ''Mairie'' in ''Bürgermeisterei Merheim'' umbenannt war, gehörte ''Schönrath'' mit dieser zum [[Kreis Mülheim am Rhein]] im [[Regierungsbezirk Köln]].


Zur Zeit der französischen Revolution fanden vorübergehend Ordensleute aus dem Linksrheinischen Zuflucht auf Schönrath.<ref>Wilhelm Heinrichs: ''Orden und ihre Niederlassungen im alten Düren''. Hahne & Schloemer-Verlag, 2003, ISBN 3-927312-55-X, S. 60.</ref>
[[Datei:Karte undatiert um 1800 Ausschnitt Schönrather Höfe.jpg|mini|hochkant=1.4|270px|Ausschnitt aus einer undatierten Karte um 1800 (HAStK, Best. 7102, Nr. 914) mit den "Schönrather Höfen". Osten ist hier oben dargestellt. Rechts unten ein Teil von Mülheim.]] [[Datei:Litz Einzeichnung DGK 1949 bearbeitet.jpg|mini|hochkant=1.4|270px|Lage der Höfe aus HAStK, Best. 7102, Nr. 914 übertragen in die Deutsche Grundkarte 1:5000, Ausgabe 1949, Blatt 5008/01, gedreht und Maßstab angepasst, nach W. Litz]]
Wilfried Litz geht davon aus, dass in der damaligen unmotorisierten Welt eine grossflächige Landwirtschaft auf Grund der beschränkten Arbeitsgeschwindigkeit der Schaffenden (Ochse, Pferd, Mensch) nur auf der Basis verteilt liegender Filialen rentabel betrieben werden konnte. So wurde beispielsweise die grossflächige Landwirtschaft Kalk der Abtei Deutz (heute Stadtteil Köln-Kalk) durch zwei gekoppelte Betriebe – obwohl relativ entfernt von einander gelegen – gleichen Namens ''Kalker Hof'' bewirtschaftet; in gleicher Weise sei laut Litz die Landwirtschaft Schönrath durch zwei Zweighöfe bewerkstelligt worden, die den gleichen Namen Schönrather Hof trugen. Litz bezieht sich dabei unter anderem auf eine nicht datierte Karte von etwa 1800, die zwei ''Schönrather Höfe'' zeigt.


Laut mündlicher Überlieferung soll der Beginn des ''klösterlichen'' Schönrath darin liegen, dass im 14. Jahrhundert ein Ritter namens Sigwin seinen Rittersitz ''Schoenroide'' zwecks Sühne einer Blutschuld der Zisterzienserabtei zu Altenberg geschenkt habe.<ref>Vinzenz Jakob von Zuccalmaglio: ''Geschichte und Beschreibung der Stadt und des Kreises Mülheim a. R.'' Zum Vorteil des Kölner Dombaus, Köln 1846. [http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/titleinfo/6642739 Digitalisierte Ausgabe], S. 335, später bei Johann Bendel: ''Heimatbuch des Landkreises Mülheim am Rhein. Geschichte und Beschreibung. Sagen und Erzählungen.'' 2. und 3.&nbsp;Aufl., Köln-Mülheim 1925, S.&nbsp;398.</ref> Diese Überlieferung ist auf Grund der Feststellung von Mosler und Huck zu hinterfragen, zumindest bezüglich der Angabe des Jahrhunderts der Schenkung. Nichtsdestotrotz, bis in die heutige Zeit haben sich immer wieder Andeutungen der Existenz einer ''Uranlage'' gezeigt, z.B. dadurch, dass es auf der Innenfläche der späteren Hofanlage nach heftigem Regenfall dann und wann zu Bodenabsackungen kam. Die letzte, hinein in einen tiefen, ziemlich verrotteten, ummauerten morschen Hohlraum, erfolgte 1959 in der Nähe des heutigen Haupttors. Zudem, als 1952 das alte sogenannte Brennhaus abgerissen wurde, glaubte man beim Rausriss des Fundaments, an der Ostseite auf den alten verfallenden Gang getroffen zu sein, der der Überlieferung nach als unterirdischer Fluchtweg von ''Schoenroide'' nach ''Dunenwald'' dienen sollte.<ref>Kölnische Rundschau ''Höhenhauser Chronikblatt''. 28. November 1952</ref>
Christopher Ernestus verweist hingegen darauf, dass weder die Akten noch eine eindeutig datierbare Karte Hinweise auf einen zweiten Schönrath Hof '''vor''' der Säkularisation 1803/1804 enthalten.


Schönrath wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals gebrandschatzt. Während des Truchsessischen Kriegs 1583-1589, während des 30jährigen Kriegs besonders in den Jahren 1642-1648, während der Raubkriege von Ludwig XIV und während des Siebenjährigen Kriegs 1756-1763 gab es Plünderung, Misshandlung, Zerstörung, Lebensmittel- und Pferdefutterraub. Das setzte sich fort während Napoleons Feldzügen. Als die Franzosen ab 1795 im Kölner Kreis agierten, wurden Schönrath 22 Kühe und 3 Pferde entwendet.<ref>Johann Bendel: Heimatbuch des Landkreises Mülheim am Rhein, Köln 1911, S.103–113, 124, 303 f.</ref>
Noch bis zu Anfang der 1960er Jahre lagen die Überbleibsel landwirtschaftlicher Anlagen jenseits des Kopfs der Pferdekoppel am Schönrather Busch nächst des Dünnwalder Kommunalwegs in einem verwilderten Areal<ref>Angezeigt z.B. auf der Deutschen Grundkarte 1949 sowie verschiedenen Luftbildkarten. Bezirksregierung Köln, ''Deutsche Grundkarte, Topografisches Basiswerk'', Blatt 5008/01 Ausgabe Aug. 1949.</ref> in Form von aus Erdboden, Wildpflanzen und Holzwuchs überwucherten Bruchssteinen, Mauerbrocken u.ä. von etwa zwei Tennisplätzen Grösse<ref>Wilfried Litz: ''Chronik der Kölnischen Litz'', Köln: Selbstverlag 2009, S. 234-235.</ref> Der verwilderte Bereich ist 1967 Opfer der Verbreiterung des Dünnwalder Kommunalwegs und der Erstellung des Friedhofs Schönratherhof geworden.<ref>[https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/freizeit-natur-sport/friedhoefe/schoenrather-hof?kontrast=weiss ''Friedhof Schönrather Hof'' auf stadt-koeln.de]</ref> Wilfried Litz sieht darin Reste des von ihm angenommenen ''Schönrather Beihofes''.


[[Datei:Karte undatiert um 1800 Ausschnitt Schönrather Höfe.jpg|mini|hochkant=1.4|300px|Ausschnitt aus einer undatierten Karte um 1800 mit den "Schönrather Höfen". Osten ist hier oben dargestellt. Rechts unten ein Teil von Mülheim.]]
''Zur Darstellung der zwei "Schönrather Höfe" um 1800 und der unterschiedlicher Interpretation → Hauptartikel [[Schönrath auf Karten um 1800 und deren Interpretation]]''.
In der damaligen unmotorisierten Welt konnte nach Ansicht von Wilfried Litz eine grossflächige Landbewirtschaft auf Grund der beschränkten Arbeitsgeschwindigkeit der Schaffenden (Ochse, Pferd, Mensch) nur auf der Basis verteilt liegender Filialen rentabel betrieben werden. So wurde beispielsweise die grossflächige Landwirtschaft Kalk (heute Stadtteil Köln-Kalk) durch zwei gekoppelte Betriebe – obwohl relativ entfernt von einander gelegen – gleichen Namens ''Kalker Hof'' bewirtschaftet; in gleicher Weise sei laut Wilfried Litz die Landwirtschaft Schönrath durch zwei Zweighöfe bewerkstelligt worden, die den gleichen Namen Schönrather Hof trugen. Beide hätten im Randbereich der Waldweide gelegen, die sich zwischen dem Kloster der Dünnwald und dem Dorf Stammheim erstreckte. Litz bezieht sich dabei vor allem auf eine nicht sicher zu datierende Karte von etwa 1800, die zwei ''Schönrather Höfe'' zeigt.<ref>Karte aus dem Historischen Archiv der Stadt Köln, Ausschnitt veröffentlicht bei Wilfried Litz, Chronik der Kölnischen Litz, Köln 2009, S.&nbsp;252. Die ursprüngliche Signatur dieser Karte ist aufgrund des Einsturzes des Historischen Archivs 2009 bisher (Stand 21.10.2024) nicht zu ermitteln gewesen. Diese Karte weist Ähnlichkeiten zu der [https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/pageview/3057599 Wiebeking-Karte von 1789] und zu der [https://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/Mappe160_09/1 1799 von Johann Christoph Bechstatt überarbeiteten Version] auf.</ref> Nach anderer Ansicht dürfte diese Karte auch nach der Säkularisation 1804 entstanden sein, als eine nunmehr von der Domänenverwaltung erzwungene Teilung in zwei Höfe in den Akten nachweisbar ist.


Zum Zeitpunkt der allgemeinen Aufhebung der Klöster 1803 gehörte Schönrath zum bergischen [[Amt Porz]]. Nach Einführung der Verwaltung nach französischem Muster im [[Großherzogtum Berg]] war es der ''[[Bürgermeisterei Merheim|Mairie Merheim]]'' im [[Arrondissement Mülheim am Rhein]] und damit dem [[Kanton Mülheim]] zugeordnet. Ab 1815, nachdem bereits die ''Mairie'' in ''Bürgermeisterei Merheim'' unbenannt war, gehörte Schönrath mit dieser zum [[Kreis Mülheim am Rhein]] im [[Regierungsbezirk Köln]].
Die letzten Pächter des ''klösterlichen Schönrath'' waren die Familie Rolshoven: Senior Heinrich mit seinen Söhnen Heinrich, Balthasar und Johann. Der Senior starb 1798. Auch nach der Säkularation blieben die Rolshoven Pächter.  1804 nötigte die staatliche Domänenverwaltung, der Schönrath seit der Säkularisation unterstellt war, die Pächter,  an betieblich günstiger Stelle eine zusätzliche Hofanlage nach neuesten landwirtschaftlicher Vorstellung zu errichten. Hierfür erhielten sie teilweise Baumaterial von der Domänenverwaltung zugewiesen. Deren Vollendung wurde 1809 durch eine Kommission bestätigt. Diese neue Anlage erhielt spätestens 1814 den Namen ''[[Neurath]]'' (aus ''Neu-Schönrath'') und lag etwa bei dem heutigen Gebäude Neurather Weg 18 in Köln-Mülheim, am Neurather Weg, dessen vorderer Teil inzwischen [[Circus-Roncalli-Weg]] heißt. Der alte Haupthof behielt den Namen Schönrath bei. Ziel war es, durch eine getrennte Verpachtung beider Höfe höhere Pachteinnahmen zu erzählen. Die bisherigen Flächen von Schönrath wurden zu etwa gleichen Teilen zwischen den beiden Höfen geteilt, wobei die Fläche von Neurath zum Teil jenseits jenseits der Straße nach Wermelskirchen (heute [[Berliner Straße]]) lag. 1827 wurde in einer Verpachtsungsanzeige die Fläche von Schönrath mit knapp 457 Morgen (117 Hektar) angegeben, die von Neurath mit 379 Morgen (97 Hektar).<ref>[https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/item/BSZ3USCRQ5PVC3NCAVC7KSIJE2O4SNBQ?query=%22Sch%C3%B6nrath%22&issuepage=7 Verpachtungsanzeige 1827] - In einem Pachtvertrag von 1885 werden dagegen die Flächen mit 120 ha, 45 a und 97 qm für Schönrath sowie 122 ha, 44 a und 24 qm für Neurath angegeben. Auszug im Besitz von Dr. Wilfried Litz.</ref>


In dieser Zeit wurde die Hofgemeinschaft Schönrath geteilt und ein eigenständiger solider Hof nach neuester landwirtschaftlicher Vorstellung gebaut, der den Namen [[Neurath]] erhielt, gelegen am heutigen Neurather Weg 18 in Köln-Mülheim, um 1960 jedoch abgerissen. Dieser Standort liegt an deutlich anderer Stelle als der in der zitierten Karte. Die Flächen wurden zu etwa gleichen Teilen zwischen den beiden Höfen geteilt, wobei die Fläche von Neurath zum nicht unerheblichen Teil jenseits der Verkehrsader lag, die heute Berliner Straße benannt ist. In einem Pachtvertrag von 1885 werden die Flächen mit 120 ha, 45 a und 97 qm für Schönrath sowie 122 ha, 44 a und 24 qm für Neurath angegeben.<ref>Auszug im Besitz von Dr. Wilfried Litz.</ref>  
''Schönrath'' wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einer geschlossenen, vierseitigen Hofanlage erweitert. Das straßenseitig in Backstein aufgeführte zweigeschossige heutige Wohnhaus von 7:3 Achsen wurde nach Einschätzung der Denkmalpflege um 1870 errichtet.<ref>Henriette Meynen (Historische Texte) “Denkmälerverzeichnis.12.7 Köln Stadtbezirk 9 (Mülheim).                                                                     Hrsg. Landeskonservator Rheinland, Rheinland Verlag, Köln 1979, S.70.</ref>


Schönrath und Neurath wurden 1828 von der staatlichen Domänenverwaltung an den Freiherrn bzw. späteren Grafen Franz Egon von Fürstenberg zu Stammheim bei Mülheim am Rhein (Köln) gekauft; dieser beliess nach dem Kauf den bisherigen Pächter.<ref>Alfred Kemp ''Köln-Höhenhaus zwischen damals und gestern'', Köln 1996, S. 6</ref>
1827 kaufte Franz Egon von Fürstenberg zu Stammheim bei Mülheim am Rhein (Köln), der später in den Grafenstand erhoben wurde, ''Schönrath'' und ''Neurath''. Dieser beließ es zunächst bei den bisherigen Pächtern.<ref>Alfred Kemp: ''Köln-Höhenhaus zwischen damals und gestern'', Köln 1996, S. 6</ref>


[[Datei:Schönrath und Neurath um 1850.jpg|mini|Topographie von Schönrath und Neurath um 1850]]
Nach der Familie Rolshoven und einigen für den Grafen Fürstenberg wohl unbefriedigenden kurzzeitigen Verpachtungen, wurde ''Schönrath'' spätestens ab 1850  von der Familie Becker bewirtschaftet.<ref>LAV NRW R, PA Zivilstandsregister Standesamt Merheim, Geburtsurkunde 20/1850 vom 14. Feb. 1850.</ref><ref>Johann Bendel: Heimatbuch des Landkreises Mülheim am Rhein, Köln: Selbstverlag 1925, S. 18, 19, 124, 305</ref><ref name="litz">Wilfried Litz: ''Chronik der Kölnischen Litz'', Köln: Selbstverlag 2009, S. 134–243</ref><ref>Kölnische Rundschau ''Schönrath und Neurath in Höhenhaus'', 28. Oktober 1952; Kölnische Rundschau ''Höhenhauser Chronikblatt''. 28. November 1952, Kölnische Rundschau ''Schönrather- und Neuratherhof'', 26. September 1952</ref>
Die Eigentümer ließen Schönrath bzw. Schönrath und Neurath stets durch Pächter verwalten. Der letzte Pächter des ''klösterlichen Schönrath'' vor 1803 war Heinrich Rolshoven, dieser nach 1803 weiterhin Pächter des ''säkularisierten Schönrath'', gefolgt von seinem Sohn Johann Rolshoven. Er hatte 1815 in Anna Sibilla Düppes eine Tochter aus [[Iddelsfeld]] geheiratet und zog später auf das von ihm neu erbaute, und diesem gegenüberliegende Gut Neufeld in [[Holweide]]. Sein Nachfolger auf Schönrath und Neurath wurde die Familie Becker.<ref>Johann Bendel: Heimatbuch des Landkreises Mülheim am Rhein Selbstverlag, Köln 1925, S. 18, 19, 124, 305</ref><ref name="litz">Wilfried Litz: ''Chronik der Kölnischen Litz'' Selbstverlag, Köln 2009, S. 134–243</ref><ref>Kölnische Rundschau ''Schönrath und Neurath in Höhenhaus'', 28. Oktober 1952; Kölnische Rundschau ''Höhenhauser Chronikblatt''. 28. November 1952, Kölnische Rundschau ''Schönrather- und Neuratherhof'', 26. September 1952</ref>
 
[[Datei:14 Rochus.jpg|mini|Hengst Rochus]] [[Datei:15 Rochus SiegerRheinprovinz.jpg|mini|Rochus, Sieger in der Rheinprovinz 1907, und 17 eingetragene Stuten]]
 
Seit 1856 verwaltete Heinrich Johann Litz (21.12.1824–13.6.1875) zunächst das gräfliche Hofgut ''Neurath''. Nach Wegzug der Beckers von Schönrath 1860 übernahm er dieses zusätzlich. Litz praktizierte Liebigs „Lehre von der Düngung des Bodens“ als erster in der Region, basierend auf Latrinenreinigung in der Stadt Mülheim durch ihn [im Mülheimer Volksmund „Litze Attlerie“ genannt]. Wie auch andere Landwirte begann er arbeitsstarke Pferde zu züchten auf der Basis des Belgischen [[Kaltblutpferd]]s mit dem Ziel eines verbesserten, charakteristisch Rheinischen Typs.<ref name="litz"/>
[[Datei:Sich frei bewegende Schweine auf der gleichen Weide ak.jpg|mini|300px|Fütterung der Schweine auf der Weide]]
Dies erreichte sein ihm früh nachfolgender Sohn Ludwig Nikolaus Litz (19.7.1851 – 7.12.1913). Die Schönrath-Neurather Zucht wurde die bedeutendste im Westen des Kaiserreiches. Schönrath entwickelte sich zum Vorbild für die preußisch-rheinische Landwirtschaftsführung.<ref name="litz"/><ref>Alfred Kemp ''Köln-Höhenhaus zwischen damals und gestern'', Köln 1996, S. 6</ref>
[[Datei:14 Rochus.jpg|mini|300px|Kaltblüter-Hengst Rochus]]
Nach Ludwig Nikolaus Tod führte sein Sohn [[Ludwig Nikolaus Litz|Ludwig Litz]] (24.6.1888–13.4.1957)<ref>Herbert M. Schleicher: ''80.000 Totenzettel aus Rheinischen Sammlungen'' (=&nbsp;''Veröffentlichungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e.V. Neue Folge'' Nr.&nbsp;42), Band&nbsp;III, Köln 1988, ohne ISBN, S.&nbsp;278.</ref> diese Zucht weiter, unterstützt durch seinen Bruder Wilhelm (9.6.1892 – 2.1.1973), der die Pferdewirtschaft in Schönrath durch die Zucht von Vollblutpferden abrundete. ''Schönrath-Neuraths'' Vollblutpferde haben bei den bedeutendsten Pferderennen des Westens gesiegt. Die Turfpresse (Sport-Welt) stellte durch Vergleich der relativen Züchterprämien (Züchterprämie/Anzahl Mutterstuten) fest, dass Schönrath neben Gestüt Ravensberg auch die erfolgreichste Zucht von Vollblutpferden im Westen führte.<ref>Sport-Welt ''Spaziergang durch westdeutsche Rennställe'', 1943</ref>
 
Seit 1857 verwaltete Heinrich Johann Litz (21.12.1824–13.6.1875) als Pächter zunächst ''Neurath''. Nach dem Tod von Arnold Becker 1871 und Wegzug seiner Witwe aus Schönrath übernahm Litz 1873 dieses zusätzlich. Litz praktizierte als erster in der Region Liebigs „Lehre von der Düngung des Bodens“, basierend auf Latrinenreinigung in der Stadt Mülheim durch ihn im Mülheimer Volksmund „Litze Attleri“ genannt. Wie auch andere Landwirte begann er arbeitsstarke Pferde zu züchten auf der Basis des Belgischen [[Kaltblutpferd]]s mit dem Ziel eines verbesserten, charakteristisch rheinischen Typs.<ref name="litz"/>
Dies erreichte sein ihm früh nachfolgender Sohn Ludwig Nikolaus Litz (19.7.1851 – 7.12.1913). Dessen'' Schönrath-Neurather'' Zucht wurde die bedeutendste im Westen des Kaiserreiches. ''Schönrath'' entwickelte sich zum Vorbild für die preußisch-rheinische Landwirtschaftsführung.<ref name="litz"/><ref>Alfred Kemp: ''Köln-Höhenhaus zwischen damals und gestern'', Köln 1996, S. 6</ref>
Nach Ludwig Nikolaus Tod übernahm sein Sohn Heinrich (19.3.1881 - 7.3.1945) die Landwirtschaft und sein Sohn [[Ludwig Nikolaus Litz|Ludwig Litz]] (24.6.1888 – 13.4.1957)<ref>Herbert M. Schleicher: ''80.000 Totenzettel aus Rheinischen Sammlungen'' (=&nbsp;''Veröffentlichungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e.V. Neue Folge'' Nr.&nbsp;42), Band&nbsp;III, Köln 1988, ohne ISBN, S.&nbsp;278.</ref> die Zucht der Kaltblutpferde, unterstützt durch dessen Bruder Wilhelm (9.6.1892 – 2.1.1973), der die Pferdewirtschaft in ''Schönrath'' durch die Zucht von Vollblutpferden abrundete. ''Schönrath-Neuraths'' Vollblutpferde haben bei den bedeutendsten Pferderennen des Westens gesiegt. Die Turfpresse stellte durch Vergleich der relativen Züchterprämien (Züchterprämie/Anzahl Mutterstuten) fest, dass Schönrath auch die erfolgreichste Zucht von Vollblutpferden im Westen führte - neben Gestüt Ravensberg.<ref>Sport-Welt ''Spaziergang durch westdeutsche Rennställe'', 1943</ref>
[[Datei:34 GroßeSiegerausSchönrath Ausschnitt.jpg|mini|Zeitgenössischer Zeitungsbericht, Sport-Welt: Sport-Welt ''Spaziergang durch westdeutsche Rennställe'', 1943]]
[[Datei:34 GroßeSiegerausSchönrath Ausschnitt.jpg|mini|Zeitgenössischer Zeitungsbericht, Sport-Welt: Sport-Welt ''Spaziergang durch westdeutsche Rennställe'', 1943]]


Diese Vollblüterzucht endete abrupt Anfang 1945 infolge der Vernichtung des Grundstocks der Vollblutpferde auf der Koppel durch einen Blitzschlag während eines plötzlich auftretenden Umwetters.<ref>Chronik der Kölnischen Litz, Köln 2009, S.&nbsp;263</ref>
Die Vollblüterzucht endete abrupt Anfang 1945 infolge der Vernichtung des Grundstocks der Vollblutpferde beim Weidegang durch einen Blitzschlag während eines plötzlich auftretenden Umwetters.<ref>Chronik der Kölnischen Litz, Köln 2009, S.&nbsp;263</ref>
 
Die Kaltblüterzucht wurde infolge des Siegeszugs der Traktoren allmählich unbedeutend. Nach Ludwigs Tod 1957 wurde die Zucht daher durch seine Söhne Heinrich (1922-2000) und Ludwig (1926-2007) beendet. Auch die übrige Tierhaltung (Michvieh, Rinder, Schweine) wurde allmählich bis 1974 eingestellt und zunehmend lediglich Ackerbau betrieben, in erster Linie mit der Produktion von Getreidesaatgut, Zuckerrüben, Mais und später auch Raps.<ref>Manfred Gorny: ''1948–1998 50 Jahre dazwischen. Die Geschichte der Bruder-Klaus-Siedlung in Köln-Mülheim.'' Eigenverlag, Köln-Mülheim 1998, S.&nbsp;11-12</ref> So wird Schönrath heute durch die fünfte Generation Litz (Heinrich, *1963) weiter bewirtschaftet.<ref>Wilfried Litz: ''Chronik der Kölnischen Litz'', Selbstverlag, Köln 2009, S. 200 ff.</ref><ref>Kölner Stadt-Anzeiger 16.10.2017: [https://www.ksta.de/koeln/koelner-bauern-verlieren-ihre-acker-beste.boeden-fuer-den-bauboom-273186 ''Beste Böden für den Bauboom. Kölner Bauern verlieren ihre Äcker'']</ref>


Im Jahre 1928 kaufte die Stadt Köln Schönrath und Neurath.
Im Jahre 1928 kaufte die Stadt Köln Schönrath und Neurath.


Die Kaltblüterzucht wurde infolge des Siegeszugs der Traktoren allmählich unbedeutend. Nach Ludwigs Tod 1957 wurde die Zucht beendet. Auch die andere Tierhaltung (Michkühe, Rinder, Schweine) wurde allmählich bis 1974 eingestellt und zunehmend lediglich Ackerbau betrieben. mit der Produktion von Getreidesaatgut, Zuckerrüben, Mais und später Raps.<ref>Manfred Gorny: ''1948–1998 50 Jahre dazwischen. Die Geschichte der Bruder-Klaus-Siedlung in Köln-Mülheim.'' Eigenverlag, Köln-Mülheim 1998, S.&nbsp;11f.</ref> Heute wird Schönrath durch die fünfte Generation Litz weiter so bewirtschaftet. Heute wird Schönrath durch die fünfte Generation Litz weiter so bewirtschaftet. Mittlerweile ist aber auch Schönrath durch die städtebauliche und verkehrstechnische Entwicklung stark beeinträchtigt.<ref>''[https://www.ksta.de/koeln/koelner-bauern-verlieren-ihre-acker-beste.boeden-fuer-den-bauboom-273186 Beste Böden für den Bauboom. Kölner Bauern verlieren ihre Äcker]''. In: Kölner Stadt-Anzeiger 16.10.2017.</ref>
Nach dem 2.Weltkrieg war ''Neurath'' auf Grund der mittlerweile entstandenen städtebaulichen und verkehrstechnischen Veränderungen eingekesselt und trug sich wirtschaftlich nicht mehr. Die Hofanlage verfiel und wurde um 1960 abgerissen. Die Hofanlage ''Schönrath'' wurde 1980 unter Denkmalschutz gestellt .<ref name="meynen">Henriette Meynen (Historische Texte): ''Nr.&nbsp;624 -Denkmälerverzeichnis. 12.7 Köln Stadtbezirk 9 (Mülheim).'' Hrsg. Landeskonservator Rheinland, Rheinland Verlag, Köln 1979, ISBN 3-7927-0461-7, S.&nbsp;70.</ref>


''Neurath'' trug sich nach dem 2.Weltkrieg auf Grund der mittlerweile ausgeprägten städtebaulichen und verkehrstechnischen Veränderungen wirtschaftlich nicht mehr, die Hofanlage verfiel und wurde um 1960 abgerissen; Die Hofanlage ''Schönrath'' wurde am 1.&nbsp;Juli 1980 unter Denkmalschutz gestellt (Nr.&nbsp;624).<ref name="meynen">Henriette Meynen (Historische Texte): ''Denkmälerverzeichnis. 12.7 Köln Stadtbezirk 9 (Mülheim).'' Hrsg. Landeskonservator Rheinland, Rheinland Verlag, Köln 1979, ISBN 3-7927-0461-7, S.&nbsp;70.</ref>
Mittlerweile ist auch ''Schönrath'' durch die städtebauliche und verkehrstechnische Entwicklung stark beeinträchtigt.<ref>''[https://www.ksta.de/koeln/koelner-bauern-verlieren-ihre-acker-beste.boeden-fuer-den-bauboom-273186 Beste Böden für den Bauboom. Kölner Bauern verlieren ihre Äcker]''. In: Kölner Stadt-Anzeiger 16.10.2017.</ref>
 
== Beschreibung des Wohnhauses ==
Das straßenseitig in Backstein aufgeführte zweigeschossige Wohnhaus von 7:3 Achsen wurde um 1870<ref name="meynen" /> unter dem Pächter Heinrich Litz (*21. Dezember 1824 in Köln; †&nbsp;13. Juni 1874 auf Schönrath)<ref>Herbert M. Schleicher: ''80.000 Totenzettel aus Rheinischen Sammlungen'' (=&nbsp;''Veröffentlichungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e.V. Neue Folge.'' Nr.&nbsp;42), Band III, Köln 1988, ohne ISBN, S.&nbsp;278.</ref> errichtet, der den Hof seit 1860 betrieb. Die nach Nord-Westen im Halbkreis vorgelagerten eingeschossigen Wirtschaftsgebäude sind ebenfalls aus Backstein aufgeführt.


== Friedhof Schönrather Hof ==
== Friedhof Schönrather Hof ==
Der Schönrather Hof ist namensgebend für den nahegelegenen parkähnlichen [[Friedhof Schönrather Hof | Friedhof ''Schönrather Hof'']], der im September 1967 als Entlastungsfriedhof für die bestehenden Mülheimer Friedhöfe eröffnet wurde,<ref>[https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/freizeit-natur-sport/friedhoefe/schoenrather-hof?kontrast=weiss ''Friedhof Schönrather Hof'' auf stadt-koeln.de]</ref> im Wesentlichen auf ehemaligen Pferdeweiden. Er wird im Gegensatz zu dem 1904 eröffneten [[Mülheimer Friedhof]] auch ''Neuer Mülheimer Friedhof'' genannt und liegt zum kleineren Teil im Stadtteil Mülheim, zum größeren Teil in Stammheim.
Der Schönrather Hof ist namensgebend für den nahegelegenen parkähnlichen [[Friedhof Schönrather Hof | Friedhof ''Schönrather Hof'']], der im September 1967 als Entlastungsfriedhof für die bestehenden Mülheimer Friedhöfe eröffnet wurde,<ref>[https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/freizeit-natur-sport/friedhoefe/schoenrather-hof?kontrast=weiss ''Friedhof Schönrather Hof'' auf stadt-koeln.de]</ref> im Wesentlichen auf ehemaligen Pferdeweiden. Er wird im Gegensatz zu dem 1904 eröffneten [[Mülheimer Friedhof]] auch ''Neuer Mülheimer Friedhof'' genannt und liegt zum kleineren Teil im Stadtteil Mülheim, zum größeren Teil in Stammheim.


== Landwirtschaft auf Schönrath ==
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Datei:Heuarbeit 3 ak.jpg|mini|Heuernte
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Datei:Hülsenfruchternte ak.jpg|mini|Hülsenfruchternte
Datei:Rindvieh auf einer Weide vor dem Schönrather Busch ak.jpg|mini|Rindvieh auf einer Weide vor dem Schönrather Busch
Datei:Heimkehr vom Feld AK.jpg|mini|Heimkehr vom Feld
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[[Datei:Drescharbeit in Schönrath um 1890 Wiki.jpg|mini|960px|links|Drescharbeit in Schönrath um 1890. Links Dreschmaschine, rechts Antriebsaggregat, in der Mitte Energieübertragungsseile]]
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== Pferdezucht auf Schönrath ==
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[[Datei:Ludwig litz Werbung Hengste Wiki.jpg|mini|960px|links|Werbekarte von Ludwig Litz für Kaltblüter, die auf Schönrath gezüchtet wurden]]
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Datei:32 VollblutJährlinge.jpg|mini|Vollblut-Jährlinge auf der Koppel
Datei:Stillende Stute AK.jpg|mini|Stillende Stute auf der Koppel [Heute Friedhof]
Datei:15 Rochus SiegerRheinprovinz.jpg|mini|Rochus, Sieger in der Rheinprovinz 1907, und 17 eingetragene Stuten
Datei:Deckschein W. Litz ak.jpg
Datei:Widerspruch Wiki.jpg|mini|Hengst "Widerspruch"
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=== Orthopädische Wundversorgung der Pferde auf Schönrath ===
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Datei:Schönrath Wund-orthopädische Versorgung Bild 1.jpg
Datei:Schönrath Wund-orthopädische Versorgung Bild 2.jpg
Datei:Schönrath Wund-orthopädische Versorgung Bild 3.jpg
Datei:Schönrath Wund-orthopädische Versorgung Bild 4.jpg
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== Literatur ==
== Literatur ==
* Johann Bendel: ''Heimatbuch des Landkreises Mülheim am Rhein. Geschichte und Beschreibung. Sagen und Erzählungen.'' 2. Aufl. Eigenverlag, Köln-Mülheim 1911.
* Johann Bendel: ''Heimatbuch des Landkreises Mülheim am Rhein. Geschichte und Beschreibung. Sagen und Erzählungen.'' 2. Aufl. Eigenverlag, Köln-Mülheim 1911.
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* [https://web.archive.org/web/20190119230735/http://www.bilderbuch-koeln.de/Denkmale/624 www.bilderbuch-koeln.de/Denkmale/624 (Memento vom 19. Januar 2019 im Internet Archive)]
* [https://web.archive.org/web/20190119230735/http://www.bilderbuch-koeln.de/Denkmale/624 www.bilderbuch-koeln.de/Denkmale/624 (Memento vom 19. Januar 2019 im Internet Archive)]
* [https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-BL-20090120-0008 „Schönrather Hof“. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital.] (Abgerufen: 19. Januar 2019)
* [https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-BL-20090120-0008 „Schönrather Hof“. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital.] (Abgerufen: 19. Januar 2019)
* [https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Sch%C3%B6nrath_(K%C3%B6ln) Bilder zu Schönrath auf Wikimedia Commoons]
== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==
<references />
<references />
== Quellenangabe ==
== Quellenangabe ==
Dieser Artikel beruht in weiten Teilen auf der Seite „Schönrath (Köln)“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 4. November 2023, 20:22 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schönrath_(Köln)&oldid=238799562 (Abgerufen: 5. November 2023, 17:54 UTC)
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[[Kategorie:Gutshof]]
[[Kategorie:Hofanlage]]
[[Kategorie:Gutshof in Höhenhaus]]
[[Kategorie:Hofanlage in Höhenhaus]]

Aktuelle Version vom 26. April 2026, 16:56 Uhr

Die Hofseite des Wohnhauses von Schönrath im Jahr 2006

Schönrath ist ein Landgut mit langer Geschichte. Die geschlossene, viergliedrige Gebäudeanlage liegt in Köln-Höhenhaus, Am Flachsrosterweg 33.

Lage

Bereich Schönrath auf der Topographischen Karte von 1844 (Preußische Uraufnahme, Leutnant von Bila)

Das Landgut Schönrath lag bis ins 19. Jahrhundert abgeschieden zwischen den Dörfern Dünnwald und Stammheim sowie der Stadt Mülheim am Rhein. Heute wird es im Westen von der Autobahn A3, im Osten von der Eisenbahnstrecke Gruiten-Köln und im Norden von der Landstraße Dünnwalder Kommunalweg durchkreuzt und durch die städtebauliche Entwicklung stark beeinträchtigt.

Zur Geschichte

Der Ursprung von Schönrath liegt im Dunkeln. Im Jahr 1210 gehörte Schönrath laut Mosler und Huck mit seiner Acker- und Waldfläche von 773 Morgen der Zisterzienserabtei zu Altenberg und blieb deren Eigentum ununterbrochen bis zur Säkularisation 1803. Es war damit der größte Hof der Abtei Altenberg. Der Grund wird in der vorausgegangenen Arrondierung durch Zukauf benachbarter Höfe (Buchheim, Mülheim, Espen und möglicherweise auch Merheim) gesehen.[1][2]

Anfangs lebten dort leyebroders (Laienbrüder) des goitzhuys zom Aldenberge, so beispielsweise broeder Pilgryms van Schoenroide, der am 16. Januar 1416 zu Moillenheim (Mülheim) als Geschworener bestätigte, dass der eirsame Reynart vame Hogepoit den Verkauf eines Zehnten im Widenbroiche (Weidenbruch im heutigen Köln-Höhenhaus, -Mülheim und -Holweide, nicht identisch mit dem heutigen Straßenzug Im Weidenbruch) an Anton von Neuß verkauft hat.[3]

Aber schon ab dem 15. Jahrhundert ließ die Abtei den Hof von Halfen (Pächtern) verwalten.[4]

Heuernte

Laut einer mündlichen Überlieferung soll der Beginn des klösterlichen Schönrath darin liegen, dass im 14. Jahrhundert ein Ritter namens Sigwin seinen Rittersitz Schoenroide zwecks Sühne einer Blutschuld der Zisterzienserabtei zu Altenberg geschenkt habe.[5] Diese Überlieferung wiedersrpicht der Feststellung von Mosler und Huck. Nichtsdestotrotz sollen sich bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhundert Andeutungen der Existenz einer verteidungsfährigen Uranlage gezeigt haben, zuletzt z.B. dadurch, dass es auf der Innenfläche der späteren Hofanlage nach heftigem Regenfall zu einer Bodenabsackung neben dem Haupttor kam, mit der Folge eines Einburchs in einen tiefen, verrotteten, rundlich ummauerten, wehrhaft wirkenden Hohlraum. Zudem, als 1952 das alte sogenannte Brennhaus abgerissen wurde, glaubte man beim Abriss des Fundaments, an dessen Ostseite auf den alten verfallenden Ausgang getroffen zu sein, der der Überlieferung nach als unterirdischer Fluchtweg von Schoenroide nach Dunenwald dienen sollte.[6]

Schönrath wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals gebrandschatzt. Plünderung, Misshandlung, Zerstörung, Nahrungs- und Pferdefutterraub gab es während des Truchsessischen Kriegs 1583-1589, während des 30jährigen Kriegs besonders in den Jahren 1642-1648, während der Raubkriege von Ludwig XIV. und während des Siebenjährigen Kriegs 1756-1763. Das setzte sich fort während Napoleons Feldzügen. Als die Franzosen ab 1795 im Kölner Umland agierten, wurden Schönrath 22 Kühe und 3 Pferde geraubt. In dieser unruhigen Zeit fanden vorübergehend Ordensleute aus dem Linksrheinischen Zuflucht auf Schönrath.[7]

Ab 1798 begann die marodierende Armee unter dem kommandierenden General Hoche, Wald massiv abzuholzen, um durch den Verkauf des Holzes an Geld zu gelangen.[8]

Zum Zeitpunkt der allgemeinen Aufhebung der Klöster 1803 gehörte Schönrath zum bergischen Amt Porz. Nach Einführung der Verwaltung nach französischem Muster im Großherzogtum Berg war es der Mairie Merheim im Arrondissement Mülheim am Rhein und damit dem Kanton Mülheim zugeordnet. Ab 1815, nachdem bereits die Mairie in Bürgermeisterei Merheim umbenannt war, gehörte Schönrath mit dieser zum Kreis Mülheim am Rhein im Regierungsbezirk Köln.

Ausschnitt aus einer undatierten Karte um 1800 (HAStK, Best. 7102, Nr. 914) mit den "Schönrather Höfen". Osten ist hier oben dargestellt. Rechts unten ein Teil von Mülheim.
Lage der Höfe aus HAStK, Best. 7102, Nr. 914 übertragen in die Deutsche Grundkarte 1:5000, Ausgabe 1949, Blatt 5008/01, gedreht und Maßstab angepasst, nach W. Litz

Wilfried Litz geht davon aus, dass in der damaligen unmotorisierten Welt eine grossflächige Landwirtschaft auf Grund der beschränkten Arbeitsgeschwindigkeit der Schaffenden (Ochse, Pferd, Mensch) nur auf der Basis verteilt liegender Filialen rentabel betrieben werden konnte. So wurde beispielsweise die grossflächige Landwirtschaft Kalk der Abtei Deutz (heute Stadtteil Köln-Kalk) durch zwei gekoppelte Betriebe – obwohl relativ entfernt von einander gelegen – gleichen Namens Kalker Hof bewirtschaftet; in gleicher Weise sei laut Litz die Landwirtschaft Schönrath durch zwei Zweighöfe bewerkstelligt worden, die den gleichen Namen Schönrather Hof trugen. Litz bezieht sich dabei unter anderem auf eine nicht datierte Karte von etwa 1800, die zwei Schönrather Höfe zeigt.

Christopher Ernestus verweist hingegen darauf, dass weder die Akten noch eine eindeutig datierbare Karte Hinweise auf einen zweiten Schönrath Hof vor der Säkularisation 1803/1804 enthalten.

Noch bis zu Anfang der 1960er Jahre lagen die Überbleibsel landwirtschaftlicher Anlagen jenseits des Kopfs der Pferdekoppel am Schönrather Busch nächst des Dünnwalder Kommunalwegs in einem verwilderten Areal[9] in Form von aus Erdboden, Wildpflanzen und Holzwuchs überwucherten Bruchssteinen, Mauerbrocken u.ä. von etwa zwei Tennisplätzen Grösse[10] Der verwilderte Bereich ist 1967 Opfer der Verbreiterung des Dünnwalder Kommunalwegs und der Erstellung des Friedhofs Schönratherhof geworden.[11] Wilfried Litz sieht darin Reste des von ihm angenommenen Schönrather Beihofes.

Zur Darstellung der zwei "Schönrather Höfe" um 1800 und der unterschiedlicher Interpretation → Hauptartikel Schönrath auf Karten um 1800 und deren Interpretation.

Die letzten Pächter des klösterlichen Schönrath waren die Familie Rolshoven: Senior Heinrich mit seinen Söhnen Heinrich, Balthasar und Johann. Der Senior starb 1798. Auch nach der Säkularation blieben die Rolshoven Pächter. 1804 nötigte die staatliche Domänenverwaltung, der Schönrath seit der Säkularisation unterstellt war, die Pächter, an betieblich günstiger Stelle eine zusätzliche Hofanlage nach neuesten landwirtschaftlicher Vorstellung zu errichten. Hierfür erhielten sie teilweise Baumaterial von der Domänenverwaltung zugewiesen. Deren Vollendung wurde 1809 durch eine Kommission bestätigt. Diese neue Anlage erhielt spätestens 1814 den Namen Neurath (aus Neu-Schönrath) und lag etwa bei dem heutigen Gebäude Neurather Weg 18 in Köln-Mülheim, am Neurather Weg, dessen vorderer Teil inzwischen Circus-Roncalli-Weg heißt. Der alte Haupthof behielt den Namen Schönrath bei. Ziel war es, durch eine getrennte Verpachtung beider Höfe höhere Pachteinnahmen zu erzählen. Die bisherigen Flächen von Schönrath wurden zu etwa gleichen Teilen zwischen den beiden Höfen geteilt, wobei die Fläche von Neurath zum Teil jenseits jenseits der Straße nach Wermelskirchen (heute Berliner Straße) lag. 1827 wurde in einer Verpachtsungsanzeige die Fläche von Schönrath mit knapp 457 Morgen (117 Hektar) angegeben, die von Neurath mit 379 Morgen (97 Hektar).[12]

Schönrath wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einer geschlossenen, vierseitigen Hofanlage erweitert. Das straßenseitig in Backstein aufgeführte zweigeschossige heutige Wohnhaus von 7:3 Achsen wurde nach Einschätzung der Denkmalpflege um 1870 errichtet.[13]

1827 kaufte Franz Egon von Fürstenberg zu Stammheim bei Mülheim am Rhein (Köln), der später in den Grafenstand erhoben wurde, Schönrath und Neurath. Dieser beließ es zunächst bei den bisherigen Pächtern.[14]

Nach der Familie Rolshoven und einigen für den Grafen Fürstenberg wohl unbefriedigenden kurzzeitigen Verpachtungen, wurde Schönrath spätestens ab 1850 von der Familie Becker bewirtschaftet.[15][16][17][18]


Fütterung der Schweine auf der Weide
Kaltblüter-Hengst Rochus

Seit 1857 verwaltete Heinrich Johann Litz (21.12.1824–13.6.1875) als Pächter zunächst Neurath. Nach dem Tod von Arnold Becker 1871 und Wegzug seiner Witwe aus Schönrath übernahm Litz 1873 dieses zusätzlich. Litz praktizierte als erster in der Region Liebigs „Lehre von der Düngung des Bodens“, basierend auf Latrinenreinigung in der Stadt Mülheim durch ihn im Mülheimer Volksmund „Litze Attleri“ genannt. Wie auch andere Landwirte begann er arbeitsstarke Pferde zu züchten auf der Basis des Belgischen Kaltblutpferds mit dem Ziel eines verbesserten, charakteristisch rheinischen Typs.[17] Dies erreichte sein ihm früh nachfolgender Sohn Ludwig Nikolaus Litz (19.7.1851 – 7.12.1913). Dessen Schönrath-Neurather Zucht wurde die bedeutendste im Westen des Kaiserreiches. Schönrath entwickelte sich zum Vorbild für die preußisch-rheinische Landwirtschaftsführung.[17][19] Nach Ludwig Nikolaus Tod übernahm sein Sohn Heinrich (19.3.1881 - 7.3.1945) die Landwirtschaft und sein Sohn Ludwig Litz (24.6.1888 – 13.4.1957)[20] die Zucht der Kaltblutpferde, unterstützt durch dessen Bruder Wilhelm (9.6.1892 – 2.1.1973), der die Pferdewirtschaft in Schönrath durch die Zucht von Vollblutpferden abrundete. Schönrath-Neuraths Vollblutpferde haben bei den bedeutendsten Pferderennen des Westens gesiegt. Die Turfpresse stellte durch Vergleich der relativen Züchterprämien (Züchterprämie/Anzahl Mutterstuten) fest, dass Schönrath auch die erfolgreichste Zucht von Vollblutpferden im Westen führte - neben Gestüt Ravensberg.[21]

Zeitgenössischer Zeitungsbericht, Sport-Welt: Sport-Welt Spaziergang durch westdeutsche Rennställe, 1943

Die Vollblüterzucht endete abrupt Anfang 1945 infolge der Vernichtung des Grundstocks der Vollblutpferde beim Weidegang durch einen Blitzschlag während eines plötzlich auftretenden Umwetters.[22]

Die Kaltblüterzucht wurde infolge des Siegeszugs der Traktoren allmählich unbedeutend. Nach Ludwigs Tod 1957 wurde die Zucht daher durch seine Söhne Heinrich (1922-2000) und Ludwig (1926-2007) beendet. Auch die übrige Tierhaltung (Michvieh, Rinder, Schweine) wurde allmählich bis 1974 eingestellt und zunehmend lediglich Ackerbau betrieben, in erster Linie mit der Produktion von Getreidesaatgut, Zuckerrüben, Mais und später auch Raps.[23] So wird Schönrath heute durch die fünfte Generation Litz (Heinrich, *1963) weiter bewirtschaftet.[24][25]

Im Jahre 1928 kaufte die Stadt Köln Schönrath und Neurath.

Nach dem 2.Weltkrieg war Neurath auf Grund der mittlerweile entstandenen städtebaulichen und verkehrstechnischen Veränderungen eingekesselt und trug sich wirtschaftlich nicht mehr. Die Hofanlage verfiel und wurde um 1960 abgerissen. Die Hofanlage Schönrath wurde 1980 unter Denkmalschutz gestellt .[26]

Mittlerweile ist auch Schönrath durch die städtebauliche und verkehrstechnische Entwicklung stark beeinträchtigt.[27]

Friedhof Schönrather Hof

Der Schönrather Hof ist namensgebend für den nahegelegenen parkähnlichen Friedhof Schönrather Hof, der im September 1967 als Entlastungsfriedhof für die bestehenden Mülheimer Friedhöfe eröffnet wurde,[28] im Wesentlichen auf ehemaligen Pferdeweiden. Er wird im Gegensatz zu dem 1904 eröffneten Mülheimer Friedhof auch Neuer Mülheimer Friedhof genannt und liegt zum kleineren Teil im Stadtteil Mülheim, zum größeren Teil in Stammheim.

Landwirtschaft auf Schönrath

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Drescharbeit in Schönrath um 1890. Links Dreschmaschine, rechts Antriebsaggregat, in der Mitte Energieübertragungsseile

Pferdezucht auf Schönrath

Werbekarte von Ludwig Litz für Kaltblüter, die auf Schönrath gezüchtet wurden

Orthopädische Wundversorgung der Pferde auf Schönrath

Literatur

  • Johann Bendel: Heimatbuch des Landkreises Mülheim am Rhein. Geschichte und Beschreibung. Sagen und Erzählungen. 2. Aufl. Eigenverlag, Köln-Mülheim 1911.
  • Manfred Gorny: 1948–1998. 50 Jahre dazwischen. Die Geschichte der Bruder-Klaus-Siedlung in Köln-Mülheim. Eigenverlag, Köln-Mülheim 1998.
  • Jürgen Huck: Die Bürgermeisterei Merheim und ihre Vorläufer im Wandel der Zeit. In: Die Bürgermeisterei Merheim im Wandel der Zeit. Hrsg. vom Heimatverein Köln-Dellbrück e.V. „Ahl Kohgasser“. 2. Aufl. Köln 1974, S. 44–157.
  • Alfred Kemp: Köln-Höhenhaus zwischen damals und gestern. Cramer, Köln 1996, Neuauflage 2007.
  • Wilfried Litz: Chronik der Kölnischen Litz, Köln: Selbstverlag 2009.
  • Henriette Meynen (Historische Texte): Denkmälerverzeichnis. 12.7 Köln Stadtbezirk 9 (Mülheim) Hrsg. vom Landeskonservator Rheinland. Rheinland Verlag, Köln 1979, ISBN 3-7927-0461-7, S. 70.
  • Hans Mosler: Die Cistercienserabtei Altenberg, Berlin 1965 (Germania Sacra Neue Folge 2)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Jürgen Huck: Die Bürgermeisterei Merheim und ihre Vorläufer im Wandel der Zeit. In: Die Bürgermeisterei Merheim im Wandel der Zeit. Hrsg.: Heimatverein Köln-Dellbrück e.V. „Ahl Kohgasser“, 2. Aufl. 1974, Köln 1974, S. 60.
  2. Hans Mosler: Die Cistercienserabtei Altenberg. (= Germania Sacra; Neue Folge 2.) Walter de Gruyter & Co., Berlin 1965. Digitalisat, S. 102.
  3. Johann Bendel: Stadt Mülheim am Rhein, Mülheim 1911, S. 432
  4. Urkundenbuch der Abtei Altenberg, bearb. von Hans Mosler, Bd. 2 (1400–1803) (Urkundenbücher der Geistlichen Stiftungen des Niederrheins 3), 1955, S. 63.
  5. Vinzenz Jakob von Zuccalmaglio: Geschichte und Beschreibung der Stadt und des Kreises Mülheim a. R. Zum Vorteil des Kölner Dombaus, Köln 1846. Digitalisierte Ausgabe, S. 335, später bei Johann Bendel: Heimatbuch des Landkreises Mülheim am Rhein. Geschichte und Beschreibung. Sagen und Erzählungen. 2. und 3. Aufl., Köln-Mülheim 1925, S. 398.
  6. Kölnische Rundschau: Höhenhauser Chronikblatt, 28. November 1952
  7. Wilhelm Heinrichs: Orden und ihre Niederlassungen im alten Düren. Hahne & Schloemer-Verlag, 2003, ISBN 3-927312-55-X, S. 60.
  8. Johann Bendel: Heimatbuch des Landkreises Mülheim am Rhein, Köln 1911, S.103–113, 124, 303 f.
  9. Angezeigt z.B. auf der Deutschen Grundkarte 1949 sowie verschiedenen Luftbildkarten. Bezirksregierung Köln, Deutsche Grundkarte, Topografisches Basiswerk, Blatt 5008/01 Ausgabe Aug. 1949.
  10. Wilfried Litz: Chronik der Kölnischen Litz, Köln: Selbstverlag 2009, S. 234-235.
  11. Friedhof Schönrather Hof auf stadt-koeln.de
  12. Verpachtungsanzeige 1827 - In einem Pachtvertrag von 1885 werden dagegen die Flächen mit 120 ha, 45 a und 97 qm für Schönrath sowie 122 ha, 44 a und 24 qm für Neurath angegeben. Auszug im Besitz von Dr. Wilfried Litz.
  13. Henriette Meynen (Historische Texte) “Denkmälerverzeichnis.12.7 Köln Stadtbezirk 9 (Mülheim). Hrsg. Landeskonservator Rheinland, Rheinland Verlag, Köln 1979, S.70.
  14. Alfred Kemp: Köln-Höhenhaus zwischen damals und gestern, Köln 1996, S. 6
  15. LAV NRW R, PA Zivilstandsregister Standesamt Merheim, Geburtsurkunde 20/1850 vom 14. Feb. 1850.
  16. Johann Bendel: Heimatbuch des Landkreises Mülheim am Rhein, Köln: Selbstverlag 1925, S. 18, 19, 124, 305
  17. 17,0 17,1 17,2 Wilfried Litz: Chronik der Kölnischen Litz, Köln: Selbstverlag 2009, S. 134–243
  18. Kölnische Rundschau Schönrath und Neurath in Höhenhaus, 28. Oktober 1952; Kölnische Rundschau Höhenhauser Chronikblatt. 28. November 1952, Kölnische Rundschau Schönrather- und Neuratherhof, 26. September 1952
  19. Alfred Kemp: Köln-Höhenhaus zwischen damals und gestern, Köln 1996, S. 6
  20. Herbert M. Schleicher: 80.000 Totenzettel aus Rheinischen Sammlungen (= Veröffentlichungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e.V. Neue Folge Nr. 42), Band III, Köln 1988, ohne ISBN, S. 278.
  21. Sport-Welt Spaziergang durch westdeutsche Rennställe, 1943
  22. Chronik der Kölnischen Litz, Köln 2009, S. 263
  23. Manfred Gorny: 1948–1998 50 Jahre dazwischen. Die Geschichte der Bruder-Klaus-Siedlung in Köln-Mülheim. Eigenverlag, Köln-Mülheim 1998, S. 11-12
  24. Wilfried Litz: Chronik der Kölnischen Litz, Selbstverlag, Köln 2009, S. 200 ff.
  25. Kölner Stadt-Anzeiger 16.10.2017: Beste Böden für den Bauboom. Kölner Bauern verlieren ihre Äcker
  26. Henriette Meynen (Historische Texte): Nr. 624 -Denkmälerverzeichnis. 12.7 Köln Stadtbezirk 9 (Mülheim). Hrsg. Landeskonservator Rheinland, Rheinland Verlag, Köln 1979, ISBN 3-7927-0461-7, S. 70.
  27. Beste Böden für den Bauboom. Kölner Bauern verlieren ihre Äcker. In: Kölner Stadt-Anzeiger 16.10.2017.
  28. Friedhof Schönrather Hof auf stadt-koeln.de

Quellenangabe

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