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Schönrath auf Karten um 1800 und deren Interpretation: Unterschied zwischen den Versionen

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== Die Karten ==
Die Darstellung von [[Schönrath]] und seiner Umgebung in Karten aus der Zeit um 1800, insbesondere eine undatierte Karte, die zwei '''''"Schönrather Höfe"''''' zeigt, werden von Wilfried Litz und Christopher Ernestus unterschiedlich interpretiert:


Aus der Zeit um 1800 existieren mindestens drei topographischen Karten des Herzogtums Berg, die den rechtsrheinischen Bereich rund um Mülheim, Dünnwald usw. dargestellen:
Wilfried Litz argumentiert, dass die grossflächige Landwirtschaft Schönrath um diese Zeit in Form einer Gemeinschaft aus zwei Gehöften, den Schönrather Höfen, betrieben worden sei, aus Gründen der Wirtschaftlichkeit als Haupt- und Bei(Hilfs)hof. Beide Höfe hätten relativ eng beieinander im Randbereich der Waldweide gelegen, welche sich zwischen dem Kloster der Prämonstratenserinnen beim Dorf ''Dunenwald'' und dem Dorf ''Stamheim'' erstreckte.
 
Christopher Ernestus sieht den zweiten der in der undatierten Karte dargestellten '''"Schönrather Höfe"''' als das spätere '''[[Neurath]]''', das nach 1804 als zweiter Schönrather Hof entstanden ist, dessen Lage aber noch falsch eingezeichnet worden sei.
 
Es fällt bei der Betrachtung der drei Karten weiterhin auf, dass die Waldweide bei Schönrath, ebenso wie die übrige Landschaft im Raum Mülheim, in allen drei Kartenversionen gleich dargestellt ist, während sie in den Katasterkarten der 1820er Jahre ebenso wie in den topographischen Karten von Tranchot/Müffling und der Preußischen Uraufnahme (1836–50) deutlich verkleinert ist.
 
== Die Karten des Herzogtums Berg ==
 
Aus der Zeit um 1800 existieren mindestens drei topographische Karten des Herzogtums Berg, die den rechtsrheinischen Bereich rund um Mülheim, Dünnwald usw. darstellen:


* [https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:6:1-143055 ''Topographische Carte von dem Herzogthum Berg''], aufgenommen von dem kurpfälzischen Wasserbaumeister Wiebeking von 1789 bis 1792 und dann gedruckt ("Wiebeking-Karte")]
* [https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:6:1-143055 ''Topographische Carte von dem Herzogthum Berg''], aufgenommen von dem kurpfälzischen Wasserbaumeister Wiebeking von 1789 bis 1792 und dann gedruckt ("Wiebeking-Karte")]
* [https://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/Mappe160_09/1 überarbeitete Version 1799 von Johann Christoph Bechstatt] ("''Topographisch-Militairische Karte des Herzogthums Berg. Aufgenommen und ins Grose gezeichnet von dem Hochf. Steuerrath Wiebeking, verjüngt und gezeichnet von Bechstatt 1799"''
* [https://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/Mappe160_09/1 überarbeitete Version 1799 von Johann Christoph Bechstatt] ("''Topographisch-Militairische Karte des Herzogthums Berg. Aufgenommen und ins Grose gezeichnet von dem Hochf. Steuerrath Wiebeking, verjüngt und gezeichnet von Bechstatt 1799"''
* eine undatierte Karte aus dem Historischen Archiv der Stadt Köln (HAStK) mit der Signatur ''Best. 7102 Nr. 914''. Einen Ausschnitt aus einer Reproduktion dieser Karte   (oder eines identischen Version davon) hat Wilfried Litz vor dem Einsturz des Archivs veröffentlicht in seiner ''Chronik der Kölnischen Litz'', Köln 2009, S. 252. Die Signatur konnnte 2025 im HStAK ermittelt werden.
* eine undatierte Karte aus dem Historischen Archiv der Stadt Köln (HAStK) mit der Signatur ''Best. 7102, Nr. 914''. Einen Ausschnitt aus einer Reproduktion dieser Karte (oder einer identischen Version davon) hat Wilfried Litz vor dem Einsturz des Archivs in seiner ''Chronik der Kölnischen Litz'', Köln 2009, S. 252, veröffentlicht. Die Signatur dazu konnte 2025 im HStAK ermittelt werden.
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Datei:Schönrath_auf_der_Wiebeking-Karte.jpg|Der Bereich um Schönrath auf der "Wiebeking-Karte" von 1789-92
Datei:Schönrath_auf_der_Wiebeking-Karte.jpg|Der Bereich um Schönrath auf der "Wiebeking-Karte" von 1789-92
Datei:Ausschnitt Bechstein-Karte um Schoenrath.jpg|... und auf der Version von Bechstatt 1799
Datei:Ausschnitt Bechstein-Karte um Schoenrath.jpg|... und auf der Version von Bechstatt 1799
Datei:Karte undatiert um 1800 Ausschnitt Schönrather Höfe.jpg|Ähnlicher Ausschnitt aus HAStK Best. 7102 Nr. 914. Gedreht sowie hinzugefügt: Markierung der beiden Schönrather Höfe (1, 2), ungefährer Standort von Neurath (N) und Nordpfeil
Datei:Karte undatiert um 1800 Ausschnitt Schönrather Höfe.jpg|Ähnlicher Ausschnitt aus HAStK, Best. 7102, Nr. 914. Gedreht sowie hinzugefügt: Markierung der beiden Schönrather Höfe (1, 2), ungefährer Standort von Neurath (N) und Nordpfeil
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== Unterschiede in der Darstellung ==
== Unterschiede in der Darstellung ==
[[Datei:Uraufnahme 1844 rund um Schoenrath TIM-online gedreht mit Pfeil.jpg|mini|650px|Ausschnitt aus den Topographischen Karten der Preußische Uraufnahme 1836-1850 aus [https://www.tim-online.nrw.de/tim-online2/ Tim-online NRW], mit Nordpfeil versehen und zum Vergleich mit Wiebeking gedreht]]
Bei Betrachtung der Karten von Wiebeking und Bechstatt für den Bereich [[Schönrath]] bei Mülheim a. Rh. fällt auf, dass Schönrath nicht eingezeichnet ist, auch nicht das [[Förstgen]] neben dem Kloster Dünnwald. Die dargestellten Gebäude zeigen in Wirklichkeit den heutigen Rodderhof, der aber nicht als solcher benannt ist, sondern mit der Beschriftung ''"Schündenb:"'', laut Ernestus verballhornt aus "Schönrath", laut von Litz, weil auf dem Rodderhof neben der Landwirtschaft ausgeprägt Schindeln und Ziegelsteine gebrannt wurden.


Bei Betrachtung der Karten von Wiebeking und Bechstatt für den Bereich [[Schönrath]] bei Mülheim a. Rh. fällt auf, dass Schönrath nicht eingezeichnet ist, auch nicht das [[Förstgen]] neben dem Kloster Dünnwald. Die dargestellten Gebäude zeigen in Wirklichkeit den heutigen Rodderhof, der aber nicht als solcher benannt ist, sondern mit der Beschriftung ''"Schündenb:"'', nach Ansicht von Ernestus verballhornt aus "Schönrath", nach Ansicht von Litz, weil weil auf dem Rodderhof neben der Landwirtschaft ausgeprägt Schindeln und Ziegelsteine gebrannt wurden.
Die undatierte Karte ''HAStK, Best. 7102, Nr. 914'' benennt im Gegensatz zu Wiebeking/Beschstatt den ''"Rotter Hof"'' (Rodderhof) richtig, nennt den Hof ''"Förstgen"'' neben dem Kloster Dünnwald.


Die undatierte Karte ''HAStK Best. 7102 Nr. 914'' benennt im Gegensatz zu Wiebeking/Beschstatt den ''"Rotter Hof" (Rodderhof) richtig, nennt den Hof '"Förstgen"' neben dem Kloster Dünnwald und zeigt mit der Beschriftung '"Schönrather Höfe"' zwei relativ weit voneinander getrennte Gebäude an.
Bemerkenswert ist die Nennung und Darstellung von zwei "Schönrather Höfen". Litz hat hierauf immer wieder hingewiesen. Es gibt jedoch [[#Verschiedene Interpretationen|zwei unterschiedliche Interpretationen]] dafür.


Bemerkenswewrt ist die Nennung und Darstellung von zwei "Schönrather Höfen", zu der es [[#Verschiedene Interpretationen|zwei unterschiedliche Interpretation]] gibt.
<!--[[Datei:5 TopographischeKarte Neurath-Schönrath.jpg|mini|Ausschnitt aus der Topographischen Karte von 1844 (Preußische Uraufnahme)]]-->
Eine genauere Betrachtung zeigt, dass zwar das östliche (hier als "1" markierte) der beiden Gebäude etwa dem eigentlichen Schönrath entspricht, das untere (weiter westliche, hier "2") aber von der Lage her nicht das heutige Neurath (hier "N") sein kann. Während Neurath deutlich näher an die heutigen [[Berliner Straße]], in Richtung Mülheim liegt, ist der hier dargestellte zweite Schönrather Hof ("2") von Schönrath gesehen aus in Richtung Stammheim eingezeichnet.


[[Datei:5 TopographischeKarte Neurath-Schönrath.jpg|mini|Ausschnitt aus der Topographischen Karte von 1844 (Preußische Uraufnahme)]]
== Zur Datierung der Karte HStAK, Best. 7102, Nr. 914 ==
Eine genauere Betrachtung zeigt, dass zwar das östliche (hier als "1" markierte) der beiden Gebäude etwa dem eigentlichen Schönrath entspricht, das untere (weiter westliche, hier "2") aber von der Lage her nicht das heutige Neurath (hier "N") sein kann. Während Neurath deutlich näher an die heutigen Berlinerstrasse, in Richtung Mülheim a. Rh. liegt. liegt der hier dargestellte zweite Schönrather Hof ("2") von Schönrath gesehen aus in Richtung Stammheim.
=== Nach Wilfried Litz: zwischen 1799 und 1803 ===
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HAStK_Best._7101_Nr._0963-3_mit_Beschriftungen.jpg|Karte von 1772(?, HAStK, Best. 7101, Nr. 963/3) über die umstrittene (''quaestionierte'') Grenze der Feldjurisdiktion der Stadt Mülheim gegenüber dem Amt Porz, rechts unten die Schönrath, symbolisch als Häuser mit roten Dächern
Datei:HAStK Best. 7101 Nr. 0963-3 Ausschnitt Schönrath.jpg|Ausschnitt über die umstrittene (''quaestionierte'') Grenze der Feldjurisdiktion der Stadt Mülheim gegenüber dem Amt Porz, 1772, mit Schönrath, symbolisch als Häuser mit roten Dächern
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Litz verweist dabei auf eine Karte, die auf 1772 datiert wird und die die umstrittene (''quaestionierte'') Grenze der Feldjurisdiktion der Stadt Mülheim gegenüber dem Amt Porz zu zeigen versucht.<ref>HAStK, Best. 7101, Nr. 963/3</ref>. Dort sind von den eigentlich existierenden Gebäuden als einzige die ''Schönrather Höff'' bildlich dargestellt, wenn auch nur symbolisch: einer der Höfe in Gestalt eines großen Hauses und der andere - westlich davon in Richtung Stamheim gelegen - als kleineres Haus, beide mit Dächern in roter Farbe. Er liest die Beschriftung als ''Schönrather Höff'', wogegen Ernestus darauf verweist, dass die vermeintlichen ö-Punkte nicht vorhanden bzw. Teil der grau dargestellten Struktur dahinter seien.


Es fällt bei der Betrachtung der drei Karten weiterhin auf, dass die Waldweide bei Schönrath, ebenso wie die übrige Landschaft im Raum Mülheim, in allen drei Kartenversionen gleich dargestellt ist, während sie in den Katasterkarten der 1820er Jahre ebenso wie in den topographischen Karten von Tranchot/Müffling und der Preußischen Uraufnahme (Aufnahme v. Bila von 1844) deutlich verkleinert ist.
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Datei:Mülheim (Crapet 1803) Ausschnitt Schönrath groß.png|Ausschnitt aus [https://www.archive.nrw.de/ms/search?link=VERZEICHUNGSEINHEIT-Vz_718a5a82-3d3a-4a71-8857-c21346619277 Spezialgrundriß des Mülheimischen Territorii von C. Crapet anno 1803, LAV NRW R, RW Karten, Nr. 1734] mit Schönrather Hof am linken Rand
Datei:Mülheim (Crapet 1803) Ausschnitt Schönrath klein.png|Vergrößerter Ausschnitt aus [https://www.archive.nrw.de/ms/search?link=VERZEICHUNGSEINHEIT-Vz_718a5a82-3d3a-4a71-8857-c21346619277 der Karte links] mit Schönrather Hof (offene Anlage mit mehreren Gebäuden in rot) und Überbleibseln der Waldweide
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Litz begründet seine Datierung mit einer weiteren Karte, dem ''Spezialgrundriß des Mülheimischen Territorii'' von C. Crapet 1803.<ref>LAV NRW R, RW Karten, Nr. 1734</ref> Sie zeige im links herausgestellten Waldteil (heute Schönrather Busch), der zum östlichen Bereich der gegen 1803 noch nicht vollständig abgeholzten Waldweide gehöre. Detaillierter sei der (östliche) Schönrather Hof, als eine offene Hofanlage mit getrennten Gebäuden, durch rote Farbe gekennzeichnet. Von jener geht ein Weg (heute [[Am Flachsroster Weg]]) nach rechts geradewegs zur ''Dunwalder Strasse'' (heute [[Berliner Straße]]).


Litz weist darauf hin, dass diese Verkleinerung der Waldweide insbesondere auf die erhebliche Waldvernichtung 1797/98 zwischen den Dörfern Dünnwald und Stammheim durch französische Truppen zurückzuführen sei. Daraus leitet er ab, dass die Karte" am ehesten etwa 1800 entstanden sei.
Die Verkleinerung der Waldweide bei Schönrath sei insbesondere auf die erhebliche Waldvernichtung 1797/98 zwischen den Dörfern Dünnwald und Stammheim durch französische Truppen zurückzuführen. Reste dieser Bewaldung seien aber noch auf dem ''Spezialgrundriß'' zu erkennen. Daraus leitet Litz ab, dass die Karte ''HStAK, Best. 7102, Nr. 914'' zwischen 1799 und 1803 entstanden sei.
 
Ernestus weist darauf hin, dass beide Mülheimer Karten den Schönrather Hof nur ganz am Rand und als Inselkarten nur (beanspruchtes) Mülheimer Territorium zeigen. Die dargestellten Hofanlagen seien nur symbolisch zu verstehen. Die Ländereien und die Waldweide, die zum Schönrather Hof gehörten, seien wegen des Kartenausschnittes nur im Bereich zwischen heutiger Berliner Straße und dem Weg nach Schönrath (heute Schönrather Straße) und dem Bereich unmittelbar um den eigentlichen Schönrather Hof dargestellt, weil nur dieser Bereich von der Stadt Mülheim als Teil seiner Feldjurisdiktion beansprucht wurde. Der Großteil der Waldweide, des Schönrather Busches, seien daher dort gar nicht dargestellt und Rückschlüsse zu dessen Umfang aus diesen beiden Karten nicht möglich.
 
=== Nach Christopher Ernestus: zwischen 1806 und 1808 ===
Ernestus bezieht sich auf andere Merkmale der Karte ''HStAK, Best. 7102, Nr. 914:'' Am rechten Rand wird sehr deutlich, dass nur das Gebiet des Herzogtums bzw. Großherzogtums Berg dargestellt werden soll, nicht aber angrenzende Territorien des südlich angrenzenden Gebiets von Nassau. Auch das Linksrheinische (seit 1801 durch Vertrag als französisch anerkannt) ist nur ansatzweise dargestellt (besonders im Südwesten erkennbar). Es handelt sich also wie bei Wiebeking 1789 um eine Inselkarte. Ansonsten wird auf Beschriftungen von Staatsgebieten ganz verzichtet, ganz anders als noch bei Wiebeking.
 
Einen entscheidenden Hinweis gebe die Tatsache, dass die rechtsrheinischen Enklaven (Deutz, Vilich, Schwarzrheindorf, Königswinter, Wolkenburg), die bis 1803 zu Kurköln und von 1803–1806 zu Nassau-Usingen gehörten und erst 1806 an das Großherzogtum Berg gelangten, nicht als Enklaven dargestellt werden, sondern in das Territorium von Berg integriert sind. Daher sei die Karte nach 1806 entstanden.
 
In der Karte ''HStAK, Best. 7102, Nr. 914'' sind durch Farben, römischen und arabischen Ziffern sowie in manchen Bereichen auch mit sehr deutlich gekennzeichneten Grenzen Verwaltungseinheiten dargestellt, die aber keine staatlichen Grenzen sein können, sondern eine interne Verwaltungsgliederung des Großherzogtums (seit 1806, vorher Herzogtum) Berg darstellen müssen. Es sei nicht ganz klar, ob die Nummern, Kolorierungen und Grenzmarkierungen schon Teil der gedruckten Karte waren oder nachträglich von Hand eingezeichnet wurden.
 
Die Karte zeigt eine Verwaltungseinheit "Portz" (I) dargestellt, die aus folgenden untergeordneten Einheiten besteht: 1. Porz selbst, 2. und 3. Nieder- und Oberzündorf, 4. Langel, 5. Libur, 6. Lind ("''Lent''"), 7. Wahn, 8. Elsdorf, 9. Urbach, 10. Eil ("''Ehl''"), 11. Heumar ("''Hoemer''"), 12. Ensen, 13. Westhoven. Eine solche Verwaltungseinheit war im Januar 1808 geplant, ist aber nie realisiert worden. Vielmehr wurden diese Orte noch 1808 auf die neu geschaffenen Munizipalitäten Heumar und Wahn aufgeteilt.<ref>Buchwald, Ursula: Die Reform der Verwaltung im Raume Porz 1806–1813. In: Rechtsrheinisches Köln. Jahrbuch für Geschichte und Landeskunde 2(1976), S. 69–108, hier S. 72–76.</ref> Die Einzeichnung habe also spätestens 1808 ihre Bedeutung verloren, die Karte könne also nicht nach 1808 gedruckt worden sein.
 
Daraus lasse sich die Karte zwischen und 1806 und 1808 datieren.


== Verschiedene Interpretationen ==
== Verschiedene Interpretationen ==


Dies führt zu unterschiedlichen Interpretationen:
Das jeweilige Datierung führt zu unterschiedlichen Interpretationen der zwei "Schönrather Höfe", die in der Karte ''HAStK, Best. 7102, Nr. 914'' dargestellt sind:
 
=== Nach Litz: eine Filiale schon vor der Säkularisation ===
[[Datei:Litz Einzeichnung DGK 1949 bearbeitet.jpg|mini|hochkant=1.4|270px|Lage der Höfe aus HAStK, Best. 7102, Nr. 914 übertragen in die Deutsche Grundkarte 1:5000, Ausgabe 1949, Blatt 5008/01, gedreht und Maßstab angepasst, nach W. Litz]]
Litz, der die Karte zwischen 1799 und 1803 und damit ''vor'' die Säkularisation datiert, sieht in dem dargestellten, hier "Schönrath 2" genannten Hof, eine Filiale von Schönrath, die schon vor der Säkularisation bestanden habe. Letzteres möge zwar auf den ersten Blick erstaunen; dieses sei aber nicht ungewöhnlich, denn in der damals unmotorisierten Welt konnte eine grossflächige Landwirtschaft auf Grund der beschränkten Arbeitgeschwindigkeit der Schaffenden ( Ochse, Pferd, Mensch ) nur auf der Basis verteilt platzierter Hoffilialen rentabel betrieben werden. So sei ebenso die großflächige Landwirtschaft Kalk der Abtei Deutz (heute Stadtteil Köln-Kalk) durch zwei gekoppelte Betriebe durchgeführt worden, die - obwohl relativ entfernt von einander - den gleichen Namen ''Kalker Hof'' trugen. In gleicher Weise wurde somit auch die großflächige Landwirtschaft Schönrath der Abtei Altenberg durch ein Haupt- und einen Beihof gleichen Namens (''Schönrather Hof'') bewerkstelligt. Zudem wurden die großen Landwirtschaften Ostpreussens und Pommerns sogar trotz der mittlerweile vorhandenen Motorisierung bis zu Ende des 2.Weltkriegs auf solche Weise geführt.
 
Der Standort der ehemaligen "westlichen Filiale" habe sich noch bis zu Anfang der 1960er Jahre durch ein verwildertes Areal von etwa zwei Tennisplätzen Größe aus von Erdboden, Wildpflanzen und Holzwuchs überwucherten Bruchsteinen, Mauerbrocken u.ä. offenbart, gelegen neben dem Kopfende der Pferdekoppel am heutigen Schönrather Busch nächst des Dünnwalder Kommunalwegs.<ref>Wilfried Litz, Chronik der Kölnischen Litz,                                Selbstverlag, Köln 2009, S. 200–212, 240, 256.</ref> Dieser verwilderte Bereich ist 1967 bei der Verbreiterung des Dünnwalder Kommunalwegs und der Erstellung des Friedhofs Schönratherhof<ref>[https://www.stadt-koeln.de/artikel/06169/index.html stadt-koeln.de, Friedhöfe, Schönrather Hof (abgerufen am 26.04.2026)]</ref> verloren gegangen.
 
=== Nach Ernestus: der Hof Neurath ===
[[Datei:7102 0911 Ausschnitt 2.jpg|mini|450px|Ausschnitt aus der undatierten Karte ''HAStK, Best. 7102, Nr. 911'' mit Einzeichnung von ''Neurath'' an gleicher Stelle (laut Ernestus) wie vorher der zweite Schönrather Hof]]
Ernestus, der in seinen Studien in den Akten keine Hinweise auf die Existenz einer Filiale vor der Säkularisation gefunden hat, geht wie erwähnt von einer Entstehung der Karte zwischen 1806 und 1808, also ''nach'' der Säkularisation aus. Der Autor der Karte habe gewusst, dass auf Schönrath ein zweiter Hof auf Druck der Domänenverwaltung errichtet wurde, das spätere Neurath, aber die genaue Lage des zweiten Hofes nicht gekannt und daher falsch eingezeichnet. Die Karte müsse vor 1814 entstanden sein, da spätestens 1814 die Benennung "Neurath" für den zweiten Hof in Akten belegt ist.
 
Dies belege nicht zuletzt eine weitere Karte im HAStK mit der Signatur ''Best. 7102, Nr. 911''. Diese stammt, wie  u. a. die Nennung von ''Cantons'' als Verwaltungseinheiten zeigt, aus der Franzosenzeit, genauer aus der Zeit der Planung für die französische Verwaltungsreform, die so nie realisiert wurden, wie etwa die Darstellung eines Cantons Mülheim an der Ruhr oder von Langenberg und Hardenberg außerhalb des Cantons Velbert.
 
Diese Karte ist offensichtlich bearbeitet worden, zeigt aber weiterhin die Lage der Höfe Schönrath, Neurath und Rodderof zueinander nicht korrekt. Nach der Interpretation von Ernestus erscheine aber exakt an der Stelle, wo in''HAStK, Best. 7102, Nr. 914'' der zweite Schönrather Hof eingezeichnet ist, ''Best. 7102, Nr. 911'' der Name ''Neurath''. Darin sieht er einen weiteren Beleg dafür, dass Neurath für die Zeitgenossen identisch mit dem bisher unbenannten zweiten Schönrather Hof sei, nur dass dessen exakte Lage in beiden Karten falsch eingezeichnet sei.


Litz sieht in dem dargestellten, hier "Schönrath2" genannten Hof eine nach seiner Ansicht schon vor der Säkularisation bestehende Filiale von Schönrath. Letzteres mag auf den ersten Blick erstaunen; dieses ist aber nicht ungewöhnlich, denn in der damals unmotorisierten Welt konnte eine grossflächige Landwirtschaft auf Grund der beschränkten Arbeitgeschwindigkeit der Schaffenden ( Ochse, Pferd, Mensch ) nur auf der Basis verteilt platzierter Hoffilialen rentabel betrieben werden. So wurde ebenso die großflächige Landwirtschaft Kalk der Abtei Deutz (heute Stadtteil Köln-Kalk) durch zwei gekoppelte Betriebe durchgeführt, die - obwohl relativ entfernt von einander - den gleichen Namen Kalker Hof trugen. In gleicher Weise wurde somit auch die großflächige Landwirtschaft Schönrath der Abtei Altenberg durch zwei Zweighöfe gleichen namens Schönrather Hof bewerkstelligt. Zudem, die grossen Landwirtschaften Ostpreussens und Pommerns wurden sogar trotz der mittlerweile vorhandenen Motorisierung bis zu Ende des 2.Weltkriegs auf solche Weise geführt. Die "3. Karte" ist seiner Ansicht nach spätestens 1806 erschienen, eher sogar um Anfang 1800.
== Einzelnachweise ==


Ernestus, der in seinen Studien in den Akten keine Hinweise auf die Existenz einer Filiale vor der Säkularisation gefunden hat, vermutet dagegen, dass die "3. Karte" zwischen 1804 und 1814 entstanden ist. Der Autor der Karte habe gewusst, dass auf Schönrath ein zweiter Hof auf Druck der Domänenverwaltung errichtet wurde, aber die Lage des zweiten Hofes nicht gekannt und daher falsch eingezeichnet. Die Karte müsse vor 1814 entstanden sein, da spätestens 1814 die Benennung "Neurath" für den zweiten Hof erfolgt.
<references/>
[[Kategorie:Höhenhaus]]
[[Kategorie:Gutshof in Höhenhaus]]

Aktuelle Version vom 26. April 2026, 16:58 Uhr

Die Darstellung von Schönrath und seiner Umgebung in Karten aus der Zeit um 1800, insbesondere eine undatierte Karte, die zwei "Schönrather Höfe" zeigt, werden von Wilfried Litz und Christopher Ernestus unterschiedlich interpretiert:

Wilfried Litz argumentiert, dass die grossflächige Landwirtschaft Schönrath um diese Zeit in Form einer Gemeinschaft aus zwei Gehöften, den Schönrather Höfen, betrieben worden sei, aus Gründen der Wirtschaftlichkeit als Haupt- und Bei(Hilfs)hof. Beide Höfe hätten relativ eng beieinander im Randbereich der Waldweide gelegen, welche sich zwischen dem Kloster der Prämonstratenserinnen beim Dorf Dunenwald und dem Dorf Stamheim erstreckte.

Christopher Ernestus sieht den zweiten der in der undatierten Karte dargestellten "Schönrather Höfe" als das spätere Neurath, das nach 1804 als zweiter Schönrather Hof entstanden ist, dessen Lage aber noch falsch eingezeichnet worden sei.

Es fällt bei der Betrachtung der drei Karten weiterhin auf, dass die Waldweide bei Schönrath, ebenso wie die übrige Landschaft im Raum Mülheim, in allen drei Kartenversionen gleich dargestellt ist, während sie in den Katasterkarten der 1820er Jahre ebenso wie in den topographischen Karten von Tranchot/Müffling und der Preußischen Uraufnahme (1836–50) deutlich verkleinert ist.

Die Karten des Herzogtums Berg

Aus der Zeit um 1800 existieren mindestens drei topographische Karten des Herzogtums Berg, die den rechtsrheinischen Bereich rund um Mülheim, Dünnwald usw. darstellen:

  • Topographische Carte von dem Herzogthum Berg, aufgenommen von dem kurpfälzischen Wasserbaumeister Wiebeking von 1789 bis 1792 und dann gedruckt ("Wiebeking-Karte")]
  • überarbeitete Version 1799 von Johann Christoph Bechstatt ("Topographisch-Militairische Karte des Herzogthums Berg. Aufgenommen und ins Grose gezeichnet von dem Hochf. Steuerrath Wiebeking, verjüngt und gezeichnet von Bechstatt 1799"
  • eine undatierte Karte aus dem Historischen Archiv der Stadt Köln (HAStK) mit der Signatur Best. 7102, Nr. 914. Einen Ausschnitt aus einer Reproduktion dieser Karte (oder einer identischen Version davon) hat Wilfried Litz vor dem Einsturz des Archivs in seiner Chronik der Kölnischen Litz, Köln 2009, S. 252, veröffentlicht. Die Signatur dazu konnte 2025 im HStAK ermittelt werden.


Unterschiede in der Darstellung

Ausschnitt aus den Topographischen Karten der Preußische Uraufnahme 1836-1850 aus Tim-online NRW, mit Nordpfeil versehen und zum Vergleich mit Wiebeking gedreht

Bei Betrachtung der Karten von Wiebeking und Bechstatt für den Bereich Schönrath bei Mülheim a. Rh. fällt auf, dass Schönrath nicht eingezeichnet ist, auch nicht das Förstgen neben dem Kloster Dünnwald. Die dargestellten Gebäude zeigen in Wirklichkeit den heutigen Rodderhof, der aber nicht als solcher benannt ist, sondern mit der Beschriftung "Schündenb:", laut Ernestus verballhornt aus "Schönrath", laut von Litz, weil auf dem Rodderhof neben der Landwirtschaft ausgeprägt Schindeln und Ziegelsteine gebrannt wurden.

Die undatierte Karte HAStK, Best. 7102, Nr. 914 benennt im Gegensatz zu Wiebeking/Beschstatt den "Rotter Hof" (Rodderhof) richtig, nennt den Hof "Förstgen" neben dem Kloster Dünnwald.

Bemerkenswert ist die Nennung und Darstellung von zwei "Schönrather Höfen". Litz hat hierauf immer wieder hingewiesen. Es gibt jedoch zwei unterschiedliche Interpretationen dafür.

Eine genauere Betrachtung zeigt, dass zwar das östliche (hier als "1" markierte) der beiden Gebäude etwa dem eigentlichen Schönrath entspricht, das untere (weiter westliche, hier "2") aber von der Lage her nicht das heutige Neurath (hier "N") sein kann. Während Neurath deutlich näher an die heutigen Berliner Straße, in Richtung Mülheim liegt, ist der hier dargestellte zweite Schönrather Hof ("2") von Schönrath gesehen aus in Richtung Stammheim eingezeichnet.

Zur Datierung der Karte HStAK, Best. 7102, Nr. 914

Nach Wilfried Litz: zwischen 1799 und 1803

Litz verweist dabei auf eine Karte, die auf 1772 datiert wird und die die umstrittene (quaestionierte) Grenze der Feldjurisdiktion der Stadt Mülheim gegenüber dem Amt Porz zu zeigen versucht.[1]. Dort sind von den eigentlich existierenden Gebäuden als einzige die Schönrather Höff bildlich dargestellt, wenn auch nur symbolisch: einer der Höfe in Gestalt eines großen Hauses und der andere - westlich davon in Richtung Stamheim gelegen - als kleineres Haus, beide mit Dächern in roter Farbe. Er liest die Beschriftung als Schönrather Höff, wogegen Ernestus darauf verweist, dass die vermeintlichen ö-Punkte nicht vorhanden bzw. Teil der grau dargestellten Struktur dahinter seien.

Litz begründet seine Datierung mit einer weiteren Karte, dem Spezialgrundriß des Mülheimischen Territorii von C. Crapet 1803.[2] Sie zeige im links herausgestellten Waldteil (heute Schönrather Busch), der zum östlichen Bereich der gegen 1803 noch nicht vollständig abgeholzten Waldweide gehöre. Detaillierter sei der (östliche) Schönrather Hof, als eine offene Hofanlage mit getrennten Gebäuden, durch rote Farbe gekennzeichnet. Von jener geht ein Weg (heute Am Flachsroster Weg) nach rechts geradewegs zur Dunwalder Strasse (heute Berliner Straße).

Die Verkleinerung der Waldweide bei Schönrath sei insbesondere auf die erhebliche Waldvernichtung 1797/98 zwischen den Dörfern Dünnwald und Stammheim durch französische Truppen zurückzuführen. Reste dieser Bewaldung seien aber noch auf dem Spezialgrundriß zu erkennen. Daraus leitet Litz ab, dass die Karte HStAK, Best. 7102, Nr. 914 zwischen 1799 und 1803 entstanden sei.

Ernestus weist darauf hin, dass beide Mülheimer Karten den Schönrather Hof nur ganz am Rand und als Inselkarten nur (beanspruchtes) Mülheimer Territorium zeigen. Die dargestellten Hofanlagen seien nur symbolisch zu verstehen. Die Ländereien und die Waldweide, die zum Schönrather Hof gehörten, seien wegen des Kartenausschnittes nur im Bereich zwischen heutiger Berliner Straße und dem Weg nach Schönrath (heute Schönrather Straße) und dem Bereich unmittelbar um den eigentlichen Schönrather Hof dargestellt, weil nur dieser Bereich von der Stadt Mülheim als Teil seiner Feldjurisdiktion beansprucht wurde. Der Großteil der Waldweide, des Schönrather Busches, seien daher dort gar nicht dargestellt und Rückschlüsse zu dessen Umfang aus diesen beiden Karten nicht möglich.

Nach Christopher Ernestus: zwischen 1806 und 1808

Ernestus bezieht sich auf andere Merkmale der Karte HStAK, Best. 7102, Nr. 914: Am rechten Rand wird sehr deutlich, dass nur das Gebiet des Herzogtums bzw. Großherzogtums Berg dargestellt werden soll, nicht aber angrenzende Territorien des südlich angrenzenden Gebiets von Nassau. Auch das Linksrheinische (seit 1801 durch Vertrag als französisch anerkannt) ist nur ansatzweise dargestellt (besonders im Südwesten erkennbar). Es handelt sich also wie bei Wiebeking 1789 um eine Inselkarte. Ansonsten wird auf Beschriftungen von Staatsgebieten ganz verzichtet, ganz anders als noch bei Wiebeking.

Einen entscheidenden Hinweis gebe die Tatsache, dass die rechtsrheinischen Enklaven (Deutz, Vilich, Schwarzrheindorf, Königswinter, Wolkenburg), die bis 1803 zu Kurköln und von 1803–1806 zu Nassau-Usingen gehörten und erst 1806 an das Großherzogtum Berg gelangten, nicht als Enklaven dargestellt werden, sondern in das Territorium von Berg integriert sind. Daher sei die Karte nach 1806 entstanden.

In der Karte HStAK, Best. 7102, Nr. 914 sind durch Farben, römischen und arabischen Ziffern sowie in manchen Bereichen auch mit sehr deutlich gekennzeichneten Grenzen Verwaltungseinheiten dargestellt, die aber keine staatlichen Grenzen sein können, sondern eine interne Verwaltungsgliederung des Großherzogtums (seit 1806, vorher Herzogtum) Berg darstellen müssen. Es sei nicht ganz klar, ob die Nummern, Kolorierungen und Grenzmarkierungen schon Teil der gedruckten Karte waren oder nachträglich von Hand eingezeichnet wurden.

Die Karte zeigt eine Verwaltungseinheit "Portz" (I) dargestellt, die aus folgenden untergeordneten Einheiten besteht: 1. Porz selbst, 2. und 3. Nieder- und Oberzündorf, 4. Langel, 5. Libur, 6. Lind ("Lent"), 7. Wahn, 8. Elsdorf, 9. Urbach, 10. Eil ("Ehl"), 11. Heumar ("Hoemer"), 12. Ensen, 13. Westhoven. Eine solche Verwaltungseinheit war im Januar 1808 geplant, ist aber nie realisiert worden. Vielmehr wurden diese Orte noch 1808 auf die neu geschaffenen Munizipalitäten Heumar und Wahn aufgeteilt.[3] Die Einzeichnung habe also spätestens 1808 ihre Bedeutung verloren, die Karte könne also nicht nach 1808 gedruckt worden sein.

Daraus lasse sich die Karte zwischen und 1806 und 1808 datieren.

Verschiedene Interpretationen

Das jeweilige Datierung führt zu unterschiedlichen Interpretationen der zwei "Schönrather Höfe", die in der Karte HAStK, Best. 7102, Nr. 914 dargestellt sind:

Nach Litz: eine Filiale schon vor der Säkularisation

Lage der Höfe aus HAStK, Best. 7102, Nr. 914 übertragen in die Deutsche Grundkarte 1:5000, Ausgabe 1949, Blatt 5008/01, gedreht und Maßstab angepasst, nach W. Litz

Litz, der die Karte zwischen 1799 und 1803 und damit vor die Säkularisation datiert, sieht in dem dargestellten, hier "Schönrath 2" genannten Hof, eine Filiale von Schönrath, die schon vor der Säkularisation bestanden habe. Letzteres möge zwar auf den ersten Blick erstaunen; dieses sei aber nicht ungewöhnlich, denn in der damals unmotorisierten Welt konnte eine grossflächige Landwirtschaft auf Grund der beschränkten Arbeitgeschwindigkeit der Schaffenden ( Ochse, Pferd, Mensch ) nur auf der Basis verteilt platzierter Hoffilialen rentabel betrieben werden. So sei ebenso die großflächige Landwirtschaft Kalk der Abtei Deutz (heute Stadtteil Köln-Kalk) durch zwei gekoppelte Betriebe durchgeführt worden, die - obwohl relativ entfernt von einander - den gleichen Namen Kalker Hof trugen. In gleicher Weise wurde somit auch die großflächige Landwirtschaft Schönrath der Abtei Altenberg durch ein Haupt- und einen Beihof gleichen Namens (Schönrather Hof) bewerkstelligt. Zudem wurden die großen Landwirtschaften Ostpreussens und Pommerns sogar trotz der mittlerweile vorhandenen Motorisierung bis zu Ende des 2.Weltkriegs auf solche Weise geführt.

Der Standort der ehemaligen "westlichen Filiale" habe sich noch bis zu Anfang der 1960er Jahre durch ein verwildertes Areal von etwa zwei Tennisplätzen Größe aus von Erdboden, Wildpflanzen und Holzwuchs überwucherten Bruchsteinen, Mauerbrocken u.ä. offenbart, gelegen neben dem Kopfende der Pferdekoppel am heutigen Schönrather Busch nächst des Dünnwalder Kommunalwegs.[4] Dieser verwilderte Bereich ist 1967 bei der Verbreiterung des Dünnwalder Kommunalwegs und der Erstellung des Friedhofs Schönratherhof[5] verloren gegangen.

Nach Ernestus: der Hof Neurath

Ausschnitt aus der undatierten Karte HAStK, Best. 7102, Nr. 911 mit Einzeichnung von Neurath an gleicher Stelle (laut Ernestus) wie vorher der zweite Schönrather Hof

Ernestus, der in seinen Studien in den Akten keine Hinweise auf die Existenz einer Filiale vor der Säkularisation gefunden hat, geht wie erwähnt von einer Entstehung der Karte zwischen 1806 und 1808, also nach der Säkularisation aus. Der Autor der Karte habe gewusst, dass auf Schönrath ein zweiter Hof auf Druck der Domänenverwaltung errichtet wurde, das spätere Neurath, aber die genaue Lage des zweiten Hofes nicht gekannt und daher falsch eingezeichnet. Die Karte müsse vor 1814 entstanden sein, da spätestens 1814 die Benennung "Neurath" für den zweiten Hof in Akten belegt ist.

Dies belege nicht zuletzt eine weitere Karte im HAStK mit der Signatur Best. 7102, Nr. 911. Diese stammt, wie u. a. die Nennung von Cantons als Verwaltungseinheiten zeigt, aus der Franzosenzeit, genauer aus der Zeit der Planung für die französische Verwaltungsreform, die so nie realisiert wurden, wie etwa die Darstellung eines Cantons Mülheim an der Ruhr oder von Langenberg und Hardenberg außerhalb des Cantons Velbert.

Diese Karte ist offensichtlich bearbeitet worden, zeigt aber weiterhin die Lage der Höfe Schönrath, Neurath und Rodderof zueinander nicht korrekt. Nach der Interpretation von Ernestus erscheine aber exakt an der Stelle, wo inHAStK, Best. 7102, Nr. 914 der zweite Schönrather Hof eingezeichnet ist, Best. 7102, Nr. 911 der Name Neurath. Darin sieht er einen weiteren Beleg dafür, dass Neurath für die Zeitgenossen identisch mit dem bisher unbenannten zweiten Schönrather Hof sei, nur dass dessen exakte Lage in beiden Karten falsch eingezeichnet sei.

Einzelnachweise

  1. HAStK, Best. 7101, Nr. 963/3
  2. LAV NRW R, RW Karten, Nr. 1734
  3. Buchwald, Ursula: Die Reform der Verwaltung im Raume Porz 1806–1813. In: Rechtsrheinisches Köln. Jahrbuch für Geschichte und Landeskunde 2(1976), S. 69–108, hier S. 72–76.
  4. Wilfried Litz, Chronik der Kölnischen Litz, Selbstverlag, Köln 2009, S. 200–212, 240, 256.
  5. stadt-koeln.de, Friedhöfe, Schönrather Hof (abgerufen am 26.04.2026)